Tarifvertrag –
Kündigungsfristen in Kleinbetrieben
Bundesarbeitsgericht
Az: 2 AZR
21/07
Urteil vom
23.04.2008
In Sachen hat der Zweite Senat des
Bundesarbeitsgerichts auf Grund der mündlichen Verhandlung vom 23. April 2008
für Recht erkannt:
Die Revision des Klägers gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Nürnberg vom
5. Dezember 2006 - 6 Sa 450/06 - wird auf Kosten des Klägers zurückgewiesen.
Von Rechts wegen!
Tatbestand:
Die Parteien streiten noch über den Zeitpunkt der Beendigung ihres
Arbeitsverhältnisses und in diesem Zusammenhang über die Wirksamkeit einer
einzelvertraglich vereinbarten tariflichen Regelung von Kündigungsfristen.
Der über 50jährige Kläger stand seit 1975 in einem Arbeitsverhältnis zur
Beklagten bzw. ihrer Rechtsvorgängerin. Die Beklagte betrieb ein Autohaus und
beschäftigte weniger als 20 Arbeitnehmer. Als Kraftfahrzeug-Mechaniker erhielt
der Kläger eine monatliche Bruttovergütung von zuletzt 2.700,00 Euro.
Auf Grund arbeitsvertraglicher Vereinbarung findet der Manteltarifvertrag 3 für
die gewerblichen Arbeitnehmer und Angestellten des Kraftfahrzeuggewerbes in
Bayern in der Fassung vom 5. April 2004 Anwendung. Soweit von Interesse enthält
der Tarifvertrag folgende Regelungen:
"3. Kündigung
3.1. Die beiderseitige Kündigungsfrist beträgt während der ersten 3 Monate einer
Beschäftigung 2 Wochen, während des vierten bis sechsten Beschäftigungsmonats 4
Wochen, jeweils zum Schluss des Kalendermonats.
3.2. Nach 6 Monaten beträgt die beiderseitige Kündigungsfrist 6 Wochen zum
Schluss eines Kalendermonats.
3.3. In Betrieben/Betriebsstätten mit in der Regel mindestens 20 Arbeitnehmern
(ohne Auszubildende und mithelfende Familienangehörige) beträgt die Frist für
eine Kündigung durch den Arbeitgeber bei einer Betriebszugehörigkeit von
5 Jahren Monate,
8 Jahren 3 Monate,
10 Jahren 4 Monate,
12 Jahren 5 Monate,
15 Jahren 6 Monate,
20 Jahren 7 Monate,
jeweils zum Ende des Kalendermonats.
Auch in Betrieben/Betriebsstätten mit in der Regel weniger als 20 Arbeitnehmern
können längere Kündigungsfristen vereinbart werden.
..."
Die Beklagte kündigte das Arbeitsverhältnis mit Schreiben vom 14. November 2005
zum 31. Dezember 2005 wegen Schließung des Betriebs. Zwischen den Parteien steht
nicht mehr im Streit, dass diese Kündigung das Arbeitsverhältnis beendet hat,
sondern allein, zu welchem Zeitpunkt dies geschehen ist.
Der Kläger meint, die Kündigung wirke nach § 622 Abs. 2 Ziff. 7 BGB erst zum 30.
Juni 2006. Die tarifliche Abkürzung der Kündigungsfristen für ältere
Arbeitnehmer widerspreche dem gesetzlichen Grundgedanken, dass älteren
Arbeitnehmern mit längerer Beschäftigungsdauer längere Kündigungsfristen
einzuräumen seien. Es müssten zwar nicht die gesetzlichen Kündigungsfristen
übernommen werden, jedoch sei wenigstens ein entsprechender Abstand von der
Grundkündigungsfrist zu wahren. Eine Tarifnorm, die die Rechtsstellung der
älteren Arbeitnehmer ohne sachlichen Grund verschlechtere, verstoße gegen Art. 3
GG. Insofern bestehe ein Differenzierungsgebot, das auch in kleineren Betrieben
greifen müsse.
Der Kläger hat, soweit von Interesse, beantragt,
festzustellen, dass das Arbeitsverhältnis zwischen den Parteien durch die
Kündigung der Beklagten vom 14. November 2005 nicht mit Wirkung zum 31. Dezember
2005, sondern erst zum 30. Juni 2006 aufgelöst worden ist;
die Beklagte zu verurteilen, an den Kläger 2.700,00 Euro nebst fünf
Prozentpunkten über dem gültigen Basiszinssatz aus dem daraus geschuldeten
Nettobetrag seit dem 1. Februar 2006 zu bezahlen.
Die Beklagte hat Klageabweisung beantragt. Sie hält die tarifvertragliche
Regelung für wirksam. Der Kläger übersehe, dass im Jahre 1993 durch die in § 622
Abs. 4 BGB ausdrücklich geschaffene Möglichkeit, auch von den Regelungen des §
622 Abs. 2 BGB durch Tarifvertrag abzuweichen, eine vorher etwa anzunehmen
gewesene Bindung der Tarifvertragsparteien an die Staffelung der
Kündigungsfristen entfallen sei. Auch der Gleichheitsgrundsatz sei nicht
verletzt. Der Gesetzgeber habe selbst in § 622 Abs. 5 BGB anerkannt, dass für
Kleinbetriebe einschneidende Sonderregelungen getroffen werden könnten.
Das Arbeitsgericht hat die Klage abgewiesen. Das Landesarbeitsgericht hat die
Berufung des Klägers zurückgewiesen. Mit der vom Landesarbeitsgericht
zugelassenen Revision verfolgt der Kläger sein Klagebegehren weiter.
Entscheidungsgründe:
Die Revision ist unbegründet.
A. Das Landesarbeitsgericht hat die tarifliche Regelung der Kündigungsfristen
für wirksam gehalten. § 622 Abs. 4 BGB enthalte keine Verpflichtung der
Tarifvertragsparteien, eine bestimmte Regelung der Kündigungsfristen zutreffen.
Eine Bindung der Tarifvertragsparteien an eine - jedenfalls der heutigen
Rechtslage auch nicht entsprechende - "Leitidee des Gesetzgebers" sei schwer
praktikabel. Die tarifliche Regelung verstoße unter Berücksichtigung der
Einschätzungsprärogative der Tarifvertragsparteien nicht gegen Art. 3 GG. Es
handele sich um eine differenzierte Regelung, die sich zulässigerweise an der
Betriebsgröße orientiere. Auch den Arbeitnehmern dieser kleinen Betriebe bleibe
eine gegenüber der Regelfrist verlängerte Kündigungsfrist.
B. Dem stimmt der Senat im Ergebnis und weitgehend auch in der Begründung zu.
Die Klage ist unbegründet. Die Kündigung vom 14. November 2005 hat das
Arbeitsverhältnis der Parteien zum 31. Dezember 2005 beendet. Der Kläger hat
keinen Anspruch auf Zahlung von Vergütung für den Monat Januar 2005.
I. Die Kündigung vom 14. November 2005 ist fristgerecht zum 31. Dezember 2005
ausgesprochen worden. Die maßgebende Kündigungsfrist betrug nach II.3.2. des
Manteltarifvertrags sechs Wochen zum Monatsende.
1. Nach § 622 Abs. 4 Satz 2 BGB sind im Geltungsbereich eines Tarifvertrags die
dort vereinbarten, von § 622 Abs. 1 bis 3 BGB abweichenden Bestimmungen
maßgebend, wenn ihre Anwendung zwischen den Parteien vereinbart ist. Das
Landesarbeitsgericht hat festgestellt, dass diese Voraussetzungen hier erfüllt
sind. Der Kläger hat die entsprechenden Feststellungen nicht beanstandet. Sie
sind damit für den Senat bindend (§ 559 Abs. 2 ZPO).
2. Die Auffassung des Landesarbeitsgerichts, die hier von den
Tarifvertragsparteien getroffene Regelung der Kündigungsfrist für Betriebe mit
weniger als 20 Arbeitnehmern verstoße nicht gegen § 622 Abs. 4 BGB, trifft zu.
a) Der Wortlaut der Norm enthält keinerlei Einschränkung. § 622 Abs. 4 Satz 1
BGB lässt, ohne weitere Voraussetzungen aufzustellen, Regelungen zu, die von der
in § 622 Abs. 2 BGB vorgesehenen Staffelung nach Dauer der Betriebszugehörigkeit
abweichen.
b) Das Landesarbeitsgericht hat auch zu Recht auf die in der amtlichen
Begründung erklärte Absicht hingewiesen, sämtliche Elemente der gesetzlichen
Regelung der Kündigungsfristen zur Disposition der Tarifvertragsparteien zu
stellen, und zwar auch die gesetzlich vorgesehene Dauer der
Betriebszugehörigkeit und Berücksichtigung des Lebensalters bei der Wartezeit.
Dies gilt nach der amtlichen Begründung ausdrücklich auch, soweit das
Bundesarbeitsgericht im Teilurteil vom 29. August 1991 (- 2 AZR 220/91 - AP BGB
§ 622 Nr. 32 = EzA BGB § 622 nF Nr. 35, unter II. 5 der Entscheidungsgründe) aus
der damals geltenden Regelung (§ 622 Abs. 3 BGB aF) eine Einschränkung der
Tarifdispositivität abgeleitet hatte (vgl. auch Schlussurteil vom 10. März 1994
- 2 AZR 220/91 -, in dem der Senat auf diese Frage nicht mehr zurückgekommen
ist). Die amtliche Begründung (BT-Drucks. 12/4902) lässt es nicht an Klarheit
fehlen:
"Nach Absatz 4 Satz 1 kann von den Regelungen über die Grundkündigungsfrist
(Absatz 1), die verlängerten Kündigungsfristen (Absatz 2) und die
Kündigungsfrist während der Probezeit (Absatz 3) auch zuungunsten des
Arbeitnehmers durch Tarifvertrag abgewichen werden... Im Vergleich zur
gegenwärtigen Fassung des § 622 Abs. 3 BGB bezieht sich die Formulierung der
Tariföffnungsklausel nicht nur ausdrücklich auf die Regelung der
Kündigungsfristen, sondern schließt abweichende Regelungen sowohl hinsichtlich
der Kündigungsfristen und der Kündigungstermine als auch der Voraussetzungen,
unter denen der Anspruch auf verlängerte Kündigungsfristen entsteht (Dauer der
Betriebszugehörigkeit, Berechnung der Betriebszugehörigkeit ab einem bestimmten
Lebensalter) ein. Während nach herrschender Meinung die Nichterwähnung des
Begriffs ,Kündigungstermin' in der jetzigen Fassung des § 622 Abs. 3 BGB
lediglich auf einem Redaktionsversehen beruht, bestehen zumindest nach Ansicht
des Bundesarbeitsgerichts (vgl. Urteil vom 29. August 1991, 2 AZR 220/91)
Zweifel daran, ob gegenwärtig auch eine vom Gesetz abweichende tarifvertragliche
Regelung der für die verlängerten Kündigungsfristen maßgeblichen Wartezeiten
(Dauer der Betriebszugehörigkeit) zulässig ist. Die gewählte Formulierung ,von
den Absätzen 1 bis 3 abweichende Regelungen' stellt klar, daß auch diese
Abweichung gemeint ist."
c) Im Übrigen lässt sich aus den vom Senat im Urteil vom 29. August 1991
angemeldeten Bedenken zu § 622 Abs. 3 BGB aF nichts für die Auslegung des § 622
Abs. 4 BGB nF herleiten. Die damaligen - nicht tragenden - Erwägungen des Senats
bezogen sich gerade auf die Besonderheiten der seinerzeit geltenden
Gesetzesfassung.
d) Auch aus dem Gesetzeszweck lässt sich eine Beschränkung der
Tarifdispositivität nicht ableiten.
aa) Allerdings wird die Auffassung vertreten, Tarifverträge im Rahmen des § 622
Abs. 4 BGB müssten sich an die Zielsetzung des Gesetzes halten, ältere
Arbeitnehmer durch längere Fristen stärker zu schützen (vgl. KR-Spilger 8. Aufl.
§ 622 BGB Rn. 214 mit weiteren Nachweisen, die sich aber fast durchweg auf § 622
Abs. 3 BGB aF beziehen; vgl. Erman/Hanau BGB 9. Aufl. § 622 BGB aF Rn. 26
einerseits und Erman/Belling BGB (seit 10. Aufl.) § 622 BGB nF Rn. 12 f.
andererseits; Canaris Gedächtnisschrift Rolf Dietz S. 199, 215). Wenn auch diese
Fristen verkürzt werden könnten, so dürfe doch die Differenzierung zu Gunsten
älterer Arbeitnehmer nicht vollständig aufgegeben werden.
bb) Die Gegenansicht (AnwK-ArbR/Boecken § 622 BGB Rn. 10 ff., 15; ErfK/Müller-Glöge
8. Aufl. § 622 BGB Rn. 22; APS/Linck 3. Aufl. § 622 BGB Rn. 113; ebenso nun auch
Wiedemann/Thüsing TVG 7. Aufl. § 1 Rn. 694) verweist auf den Gesetzeswortlaut,
der für eine solche Beschränkung keine Anhaltspunkte biete.
cc) Für die zuletzt wiedergegebene Auffassung sprechen die besseren Argumente.
(1) Dass Wortlaut und Entstehungsgeschichte sowie die erklärte Absicht des
Gesetzgebers für die einschränkende Auslegung keinen Raum geben, wurde schon
ausgeführt und wird auch von Befürwortern der hier abgelehnten Auffassung
bestätigt (vgl. KR-Spilger 8. Aufl. § 622 BGB Rn. 214).
(2) Demgegenüber ist es nicht angängig, neben dem Wortlaut und dem zur konkreten
Norm (§ 622 Abs. 4 Satz 1 BGB) deutlich erklärten Willen des Gesetzgebers noch
ein darüber gewissermaßen schwebendes Ziel oder Leitbild der gesetzlichen
Gesamtregelung (§ 622 Abs. 2 BGB) zu postulieren und dergestalt zu
berücksichtigen, dass es den entgegenstehenden Wortlaut und den erklärten Willen
in sein Gegenteil zu verkehren geeignet sein soll. Letztlich ist ein so zustande
gekommenes Auslegungsergebnis dem Vorwurf ausgesetzt, es sei contra legem
gewonnen.
(3) Daneben weist auch die Beklagte zu Recht darauf hin, dass bei Tarifverträgen
in den meisten Fällen angenommen werden kann, eine bestimmte Einzelregelung
stehe im Zusammenhang eines von annähernd gleich starken Gegenspielern
ausgehandelten Gebens und Nehmens, könne also nicht ohne Weiteres für sich
genommen mit einer etwa günstigeren gesetzlichen Rechtslage verglichen werden.
Insoweit weist die Beklagte auf nicht unbeträchtliche Vergütungsbestandteile
hin, auf die der Kläger ohne Geltung des Tarifvertrags keinen Anspruch gehabt
hätte.
3. Die von der Revision offenbar vertretene Auffassung, § 622 Abs. 4 BGB
verstoße gegen Art. 3 Abs. 1 GG, soweit die Norm tarifvertragliche Regelungen
des hier in Rede stehenden Inhalts erlaube, teilt der Senat nicht. Gleiches
gilt, soweit die Revision nicht die Verfassungswidrigkeit des § 622 Abs. 4 BGB,
sondern allein der tarifvertraglichen Regelung selbst geltend machen will (vgl.
zur Wirkungsweise der Grundrechte im Tarifrecht: ErfK/Dieterich 8. Aufl. GG
Einl. Rn. 20 ff.). Gleichgültig, wie man den von der Revision geführten Angriff
versteht, scheitert er jedenfalls daran, dass die tarifvertragliche Regelung
nicht gegen Art. 3 Abs. 1 GG verstößt. Ebenso wenig verstößt die Regelung gegen
das aus Art. 12 GG abzuleitende Untermaßverbot (vgl. dazu ErfK/Dieterich 8.
Aufl. GG Einl. Rn. 36 ff.).
a) Richtig ist, dass in den Schutzbereich des Art. 3 Abs. 1 GG nicht nur die
Ungleichbehandlung wesentlich gleicher Sachverhalte fällt, sondern auch die
Gleichbehandlung von wesentlich Ungleichem (BVerfG 13. Mai 1986 - 1 BvL 55/83 -
BVerfGE 72, 141). Es kommt darauf an, ob eine Regelung für einen Teil der
Betroffenen Unterschiede von solcher Art und solchem Gewicht zur Folge hätte,
dass ihr gegenüber die gleichartige Behandlung nicht mehr zu rechtfertigen wäre
(BVerfG 13. Mai 1986 - 1 BvL 55/83 - aaO).
b) Differenzierungsgebote hat das Bundesverfassungsgericht verschiedentlich
erörtert, etwa im Bereich von Art. 6 GG (20. September 2007 - 2 BvR 855/06 -
FamRZ 2007, 1869; 18. Juli 2001 - 1 BvQ 23/01, 1 BvQ 26/01 - BVerfGE 104, 51),
des Hochschulrechts (29. Juni 1983 - 2 BvR 720/79, 2 BvR 725/79, 2 BvR 742/79, 2
BvR 1579/79, 2 BvR 1582/79 - BVerfGE 64, 323) und gegenüber unterschiedlichen
Berufen (Art. 12 GG, vgl. 18. Dezember 1968 - 1 BvL 5/64, 1 BvL 14/64, 1 BvL
5/65, 1 BvL 11/65, 1 BvL 12/65 -BVerfGE 25, 1). Es hat jedoch, soweit
ersichtlich, weder für den Bereich des Alters noch den der Betriebszugehörigkeit
eine Verpflichtung des Gesetzgebers zu unterschiedlichen Regelungen angenommen.
c) Im vorliegenden Fall bestehen hinreichende Gründe für die vom Gesetz
abweichende tarifvertragliche Regelung der Kündigungsfristen.
aa) Zum einen berührt die tarifvertragliche Regelung nicht den materiellen
Kündigungsschutz, also das Recht der Kündigungsgründe. Insoweit werden auch im
Geltungsbereich der tariflichen Regelung nach wie vor ältere Arbeitnehmer mit
längeren Beschäftigungszeiten in Betrieben, für die das Kündigungsschutzgesetz
gilt - also auch im Betrieb des Klägers - durch § 1 Abs. 3 Satz 1 KSchG
gegenüber jüngeren Arbeitnehmern besser geschützt. Dass sich dies im Falle des
Klägers nicht auswirken konnte, lag daran, dass der Kündigungsgrund alle
Arbeitnehmer gleichmäßig betraf, ändert aber nichts daran, dass die
tarifvertragliche Regelung vor dem genannten Hintergrund zu sehen ist.
bb) Zum andern knüpft die tarifvertragliche Bestimmung der Kündigungsfristen an
die Betriebsgröße an. Sie setzt voraus, dass Unternehmen mit einer geringeren
Belegschaftszahl typischerweise auch eine geringere Wirtschaftskraft aufweisen
und weniger gut in der Lage sind, etwa kurzfristig eintretende Auftragseinbrüche
aufzufangen. Deshalb sollen sie von den durch die längeren Kündigungsfristen
verursachten Lasten befreit werden. Nur für solche Kleinbetriebe entfallen die
längeren Kündigungsfristen für länger beschäftigte Arbeitnehmer. Der Gesetzgeber
hat, ohne dass dies vom Bundesverfassungsgericht beanstandet worden wäre,
verschiedentlich Kleinbetriebe begünstigt (vgl. zu § 128 AFG: BVerfG 23. Januar
1990 - 1 BvL 44/86, 1 BvL 48/87 - BVerfGE 81, 156; zum Steuerrecht: BVerfG 7.
November 2006 - 1 BvL 10/02 - BVerfGE 117, 1; vgl. im Übrigen auch § 622 Abs. 5
BGB) und sogar den vollständigen Wegfall des gesetzlichen materiellen
Kündigungsschutzes für Kleinbetriebe und damit eine wesentlich massivere
Schwächung des sozialen Schutzes für die betreffenden Arbeitnehmer vorgesehen.
Dennoch hat das Bundesverfassungsgericht diese Regelungen und § 23 KSchG
unbeanstandet gelassen und auch keine Differenzierung bei den Kündigungsfristen
als geboten erachtet (27. Januar 1998 - 1 BvL 15/87 - BVerfGE 97, 169), sondern
auf den durch §§ 128, 242 BGB vermittelten Schutz in Kleinbetrieben hingewiesen.
Letzterer ist hier indes nicht betroffen. Dass die Kündigung sitten- oder
treuwidrig wäre, ist nicht geltend gemacht.
d) Aus dem Vorstehenden ergibt sich zugleich, dass die Gründe, die zu der
tarifvertraglichen Regelung der Kündigungsfristen geführt haben, jedenfalls
nicht evident unsachlich sind. Außerdem bleibt ein gewisser, wenn auch geringer,
durch die gegenüber der Grundfrist verlängerte Kündigungsfrist vermittelter
Schutz erhalten. Ein Verstoß gegen Art. 12 GG liegt nicht vor.
4. Auch aus dem Europäischen Recht lässt sich das vom Kläger angesprochene
Differenzierungsgebot nicht ableiten. Art. 1 der RL 2000/78/EG (ABl. EG L 303 S.
16) verbietet im Gegenteil die Unterscheidung wegen des Alters. Zwar lässt Art.
6 der RL Differenzierungen aus bestimmten Gründen zu und Art. 7 RL erlaubt
spezifische Maßnahmen zur Verhinderung oder zum Ausgleich von Nachteilen, die
diskriminierte Personen erleiden. Daraus folgt jedoch keine Pflicht zur
Besserstellung aus einem der in Art. 1 RL aufgeführten Diskriminierungsgründe.
II. Die Unbegründetheit des Zahlungsanspruchs folgt aus der Unbegründetheit des
Feststellungsantrags.
C. Die Kosten der Revision fallen dem Kläger nach § 97 Abs. 1 ZPO zur Last.