Übersicht:
- Das Wichtigste im Überblick
- Wann ist AGB-Kontrolle bei Studienverträgen zulässig?
- Redaktionelle Leitsätze
- Ist ein Zurückbehaltungsrecht an Zeugnissen in AGB erlaubt?
- Wann ist der Haftungsausschluss unwirksam?
- Ist die Abitur-Fristklausel wirksam?
- Experten-Kommentar
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Darf die Hochschule mein Zeugnis einbehalten, wenn ich noch Schulden aus Studiengebühren habe?
- Welche Kosten kann ich bei einer Absage des Studiengangs über die Gebühren hinaus einfordern?
- Verliere ich mein Sonderkündigungsrecht, wenn ich den Nachweis über das nicht bestandene Abitur verspäte?
- Wie fordere ich mein Abschlusszeugnis rechtssicher ein, wenn die Hochschule die Herausgabe verweigert?
- Das vorliegende Urteil

Zum vorliegenden Urteilstext springen: 2 UKl 6/25
Das Wichtigste im Überblick
OLG Stuttgart kippt zwei AGB-Klauseln einer privaten Hochschule und spricht Abmahnkosten zu.
- Das Gericht verbot das Zurückhalten von Urkunden und den pauschalen Schadensersatzausschluss.
- Die Wochenfrist beim Abitur-Nachweis blieb wirksam.
- Die Hochschule überschritt mit beiden Klauseln die gesetzlichen Grenzen für Verbraucher.
- Die Beklagte zahlt 243,51 Euro plus Zinsen.
- Die Klage scheiterte im Übrigen.
- Gericht: OLG Stuttgart
- Datum: 21.05.2026
- Aktenzeichen: 2 UKl 6/25
- Verfahren: Verbandsklage zu AGB einer privaten Hochschule
- Rechtsbereiche: AGB-Recht, Verbraucherschutz, Unterlassungsrecht
- Streitwert: 7.500,00 Euro
- Relevant für: Hochschulen, Verbraucher, Verbraucherschutzverbände
Wann ist AGB-Kontrolle bei Studienverträgen zulässig?
Verwenden Unternehmen fehlerhafte oder benachteiligende Vertragsklauseln, können qualifizierte Verbraucherverbände dagegen vorgehen. Die rechtliche Grundlage für solche Unterlassungsansprüche bildet der Paragraf 1 des Unterlassungsklagengesetzes (UKlaG). Der Maßstab für die inhaltliche Überprüfung sind dabei in erster Linie die gesetzlichen Vorgaben der Paragrafen 307 bis 309 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Diese Paragraphen regeln die sogenannte AGB-Kontrolle: § 307 enthält den allgemeinen Grundsatz, dass Klauseln unwirksam sind, wenn sie den Vertragspartner unangemessen benachteiligen. § 308 listet Klauseln auf, die nur in Ausnahmefällen gelten, etwa wenn eine Seite sich übermäßig viel Spielraum bei der Leistungserbringung vorbehält. § 309 enthält absolute Verbote – etwa den Ausschluss der Haftung selbst bei grober Fahrlässigkeit. Die Frage, ob Klauseln überhaupt wirksam in einen konkreten Vertrag einbezogen wurden, spielt in einem solchen Verbandsklageverfahren jedoch keine Rolle. Das ist das Besondere an der Verbandsklage: Der Verbraucherverband klagt nicht wegen eines konkreten Vertrags, sondern abstrakt dagegen, dass das Unternehmen die Klausel überhaupt in seinen Vertragsmustern verwendet. Es geht also darum, die Klausel für alle zukünftigen Verträge zu verbieten – nicht darum, ob sie in einem Einzelfall wirksam Vertragsbestandteil wurde.
Vor dem Oberlandesgericht Stuttgart ging ein Verbraucherverband mit einer Klage gegen eine private Hochschule vor (Urteil vom 21.05.2026, Az. 2 UKl 6/25). Der Verband rügte drei spezifische Klauseln in den Vertragswerken der Bildungseinrichtung. Die Klage war teilweise erfolgreich: Die Richter untersagten der Hochschule die weitere Verwendung von zwei der drei beanstandeten Bestimmungen. Zusätzlich muss die Hochschule vorgerichtliche Abmahnkosten in Höhe von 243,51 Euro nebst Zinsen an den Verbraucherverband erstatten. Eine solche Abmahnung ist der übliche erste Schritt vor einer Klage: Der Verband fordert das Unternehmen förmlich auf, die beanstandeten Klauseln nicht mehr zu verwenden. Kommt das Unternehmen dem nicht nach, entstehen Kosten für diese vorgerichtliche Auseinandersetzung, die der Verband später als Schadensersatz geltend machen kann.
Redaktionelle Leitsätze
- Ein in Allgemeinen Geschäftsbedingungen verankertes uneingeschränktes Zurückbehaltungsrecht an Abschlusszeugnissen und Urkunden wegen ausstehender Zahlungen oder nicht zurückgegebener Unterlagen ist unwirksam, wenn es die gesetzlichen Grenzen der Verhältnismäßigkeit sowie Fälle unverschuldeten Verlusts außer Acht lässt.
- Ein pauschaler vertraglicher Haftungsausschluss, der bei ersatzloser Absage eines Bildungsangebots lediglich die Erstattung der entrichteten Gebühren vorsieht, ist insgesamt unwirksam, da er unzulässigerweise auch die Haftung für grob fahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten ausschließt.
- Eine Vertragsklausel, die Verbrauchern ein nicht gesetzlich vorgesehenes Sonderkündigungsrecht zum eigenen Vorteil einräumt, stellt keine unangemessene Benachteiligung dar, selbst wenn an die vertragliche Ausübung dieses Rechts eine kurze, aber eindeutig berechenbare Nachweisfrist geknüpft ist.

Ist ein Zurückbehaltungsrecht an Zeugnissen in AGB erlaubt?
Ein vertragliches Zurückbehaltungsrecht darf das grundlegende gesetzliche Konzept des Paragrafen 273 BGB nicht einseitig ausdehnen. Konkret bedeutet § 273: Wer selbst noch eine Leistung schuldet, darf seine eigene Gegenleistung verweigern, bis der andere Teil erfüllt hat – die Hochschule dürfte also theoretisch das Zeugnis zurückhalten, solange der Student noch Gebühren schuldet. Weicht eine Klausel maßgeblich von den wesentlichen Grundgedanken des dispositiven Rechts ab, führt dies regelmäßig zu einer unangemessenen Benachteiligung der Kunden. Dispositives Recht sind die gesetzlichen Vorschriften, die automatisch gelten, wenn die Vertragsparteien nichts anderes vereinbart haben – also die gesetzliche Standardlösung. Die AGB-Kontrolle verhindert, dass Unternehmen diese Standardregeln einseitig zu ihrem Vorteil verschieben. Eine solche pauschale Regelung darf dem Kunden seine Rechte insbesondere dann nicht absprechen, wenn ihm überlassene Gegenstände gänzlich ohne sein eigenes Verschulden abhandengekommen sind.
Die beanstandete Einbehaltungsklausel der privaten Hochschule weitete genau diese Rechte unzulässig aus. Die Hochschule wollte sich das vertragliche Recht vorbehalten, Bachelor- oder Masterurkunden sowie die dazugehörigen Zeugnisse so lange zurückzuhalten, bis Studierende alle fälligen Zahlungen geleistet oder ausgegebene Unterlagen wie Studierendenausweise zurückgegeben hätten. Das Gericht erklärte diese Bestimmung für unwirksam. In der Formulierung fehlten essenzielle rechtliche Grenzen, etwa Vorgaben zur Verhältnismäßigkeit oder Ausnahmeregelungen für den unverschuldeten Verlust von Materialien. Die Richter betonten ferner die überragende Bedeutung von Zeugnissen und Urkunden für das berufliche Fortkommen der Studierenden, welche die Klausel schlicht ignorierte.
Die beanstandete Klausel gewährt der Beklagten ein uneingeschränktes Zurückbehaltungsrecht an Urkunden und Zeugnissen, solange nicht alle ausgegebenen Unterlagen wie die beispielhaft genannten Sachen (Studentenausweis, Literatur und Equipment) zurückgegeben wurden. Damit setzt die Beklagte unter Abweichung der gesetzlichen Regelung missbräuchlich eigene Interessen durch. – so das Oberlandesgericht Stuttgart
Wenn Ihre private Hochschule Ihnen derzeit Bachelorurkunde, Masterzeugnis oder andere Abschlussdokumente wegen ausstehender Zahlungen oder nicht zurückgegebener Unterlagen verweigert: Fordern Sie die Herausgabe schriftlich und unter Fristsetzung ein. Berufen Sie sich darauf, dass pauschale Einbehaltungsklauseln ohne Verhältnismäßigkeitsprüfung und ohne Ausnahme für unverschuldeten Verlust nach dem OLG-Stuttgart-Urteil unwirksam sind. Je wichtiger das Dokument für Ihre berufliche Zukunft ist, desto stärker wiegt Ihr Herausgabeanspruch.
Ein Zurückbehaltungsrecht in AGB ist nicht grundsätzlich unzulässig – es scheitert hier an der fehlenden inneren Abstufung. Wenn Sie einen Vertrag mit einer ähnlichen Klausel prüfen, achten Sie darauf, ob die Regelung unterschiedslos an alle denkbaren Pflichten anknüpft oder ob sie den Wert der einbehaltenen Dokumente ins Verhältnis zur konkreten Pflichtverletzung setzt. Je existenzieller das einbehaltene Dokument für Ihre berufliche oder persönliche Stellung ist, desto enger muss die Klausel gefasst sein.
Wann ist der Haftungsausschluss unwirksam?
Allgemeine Geschäftsbedingungen dürfen die vertragliche Haftung für grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz nicht einschränken, wie es das Gesetz unabdingbar vorschreibt. Sind Haftungsausschlüsse so weit gefasst, dass sie unzulässigerweise auch derart schwere Verfehlungen oder Konstellationen weit abseits des eigentlichen Vertragszwecks abdecken, macht das die Klausel angreifbar. Eine geltungserhaltende Reduktion – also das bequeme Zurechtstutzen einer fehlerhaften Klausel auf ein gerade noch zulässiges Maß durch das Gericht – ist verboten.
Die Hochschule hatte für den Fall der ersatzlosen Absage eines Studiengangs vorgesehen, dass lediglich die bereits entrichteten Anmelde- und Studiengebühren erstattet werden. Sämtliche weitergehenden Schadensersatzansprüche schloss das Unternehmen vertraglich aus. Das Oberlandesgericht Stuttgart ordnete diese Praxis als rechtswidrig ein, da durchaus finanzielle Schäden entstehen können, die weit über die bloße Gebührenerstattung hinausgehen. Weil der Vertragstext zudem eine mögliche Haftung für Pflichtverletzungen von Vertretern oder Erfüllungsgehilfen der Hochschule unzulässig begrenzte, kassierten die Richter die Bestimmung vollständig ein.
In einem solchen Fall kann der Schaden über die entrichteten Anmelde- und Studiengebühren hinausgehen, wenn der Verbraucher im Vertrauen und mit Blick auf den nahenden Studienbeginn nutzlose Aufwendungen getätigt hat. Die verbotswidrige Begrenzung hat zur Folge, dass die Klausel insgesamt unwirksam ist. – so das Oberlandesgericht Stuttgart
Erfüllungsgehilfen sind Personen, die ein Unternehmen zur Erfüllung seiner Pflichten einsetzt – etwa angestellte Dozenten, Verwaltungsmitarbeiter oder externe Dienstleister. Für deren Fehler muss die Hochschule nach dem Gesetz genauso haften wie für eigene Versäumnisse. Genau diese Haftung wollte die Klausel unzulässig einschränken.
Wurde Ihr Studiengang von der Hochschule ersatzlos abgesagt, lassen Sie sich nicht mit der bloßen Erstattung Ihrer Studien- und Anmeldegebühren abspeisen. Das OLG Stuttgart hat bestätigt, dass weitergehende Schadensersatzansprüche bestehen können. Dokumentieren Sie alle finanziellen Nachteile – etwa Umzugskosten, Kosten aus aufgelösten Mietverträgen oder Aufwendungen für ein überbrückendes Auslandssemester – und fordern Sie diese schriftlich von der Hochschule ein. Im Streitfall sollten Sie anwaltliche Hilfe hinzuziehen.
Ist die Abitur-Fristklausel wirksam?
Eine Vertragsklausel stellt nicht zwangsläufig eine Benachteiligung dar, wenn sie dem Kunden faktisch ein Risiko abnimmt, das er nach der gesetzlichen Grundkonzeption eigentlich selbst tragen müsste. Eine Frist von einer Woche, um notwendige Papiere für ein solches Ausnahmerecht vorzulegen, werten Gerichte nicht als unangemessen kurz. Für die korrekte formale Berechnung dieser Zeiträume finden stets die allgemeinen Regeln der Paragrafen 187 bis 193 BGB Anwendung.
Bei der dritten umstrittenen Klausel rangen die Parteien um den schulischen Abschluss der angehenden Akademiker. Die Hochschule verlangte, dass das Nichtbestehen der Abiturprüfung innerhalb einer Woche nach der Bekanntgabe durch ein schulisches Dokument nachgewiesen werden müsse. Das Gericht stellte sich hierbei auf die Seite der Bildungseinrichtung und hielt die Klausel für verbraucherbegünstigend. Ohne diese Einigung hätten angehende Studenten keinerlei spezielle Möglichkeit, sich frühzeitig von dem Studienvertrag zu lösen. Sie müssten stattdessen weiterhin Studiengebühren zahlen, auch wenn sie das Studium mangels Hochschulreife gar nicht antreten dürften.
Wenn Sie das Abitur nicht bestanden haben und sich von Ihrem Studienvertrag lösen wollen: Besorgen Sie sich sofort das offizielle schulische Dokument über Ihr Prüfungsergebnis und reichen Sie es innerhalb von sieben Tagen nach der schriftlichen Notenbekanntgabe bei der Hochschule ein. Diese Frist ist wirksam und bindend. Versäumen Sie die Woche, verlieren Sie dieses Sonderkündigungsrecht und müssen weiterhin Studiengebühren zahlen, obwohl Sie das Studium mangels Hochschulreife gar nicht antreten dürfen.
Ist der Fristbeginn zu unbestimmt?
Den Versuch des Verbraucherverbandes, die Wochenfrist juristisch anzugreifen, ließen die Richter ins Leere laufen. Der Verband hatte argumentiert, der Beginn der Frist sei unbestimmt. Es sei theoretisch denkbar, dass schon ein anonymer Aushang von Prüfungsergebnissen am schwarzen Brett der Schule die Frist auslöse – was es den Schülern unmöglich mache, rechtzeitig Dokumente zu besorgen. Das Gericht verwarf diese Argumentation als reine rechtliche Konstruktion, die nicht ernsthaft in Betracht gezogen werden könne. Für einen angehenden Studenten sei stets klar ersichtlich, dass erst die schriftliche Bekanntgabe der Noten durch die Schule ausschlaggebend sei.
Was bedeutet das Urteil für Studierende?
Das Oberlandesgericht Stuttgart hat als Berufungsinstanz in einem Verbandsklageverfahren entschieden. Die Hochschule kann gegen das Urteil noch Rechtsmittel einlegen, bis zur Rechtskraft dürfen die untersagten Klauseln jedoch nicht weiter verwendet werden. Die Grundsätze der Entscheidung sind auf Vertragsgestaltungen anderer privater Hochschulen übertragbar, sofern dort identische oder ähnlich weitreichende Klauseln verwendet werden – insbesondere bei pauschalen Zeugnis-Einbehaltungen und pauschalen Haftungsausschlüssen bei Studiengangsabsagen.
Wer aktuell von seiner privaten Hochschule das Zeugnis einbehalten bekommt oder dessen Studiengang ersatzlos gestrichen wurde, sollte sich auf dieses Urteil berufen und seine Ansprüche schriftlich und unter Fristsetzung geltend machen. Bei der Abiturklausel gilt: Die einwöchige Nachweisfrist nach Nichtbestehen ist wirksam und muss strikt eingehalten werden. Im Streitfall lohnt sich der Gang zum Anwalt oder zur Verbraucherzentrale.
Die AGB-Kontrolle greift nicht, wenn eine Klausel vom Gesetz abweicht, indem sie dem Verbraucher ein Recht gewährt, das ihm nach der gesetzlichen Grundkonzeption nicht zustünde. Solche verbraucherbegünstigenden Regelungen sind in der Regel wirksam – selbst wenn die daran geknüpften Fristen knapp bemessen sind. Rein theoretische Bedenken gegen die Praktikabilität reichen für eine Unwirksamkeit nicht aus, solange für den durchschnittlichen Vertragspartner klar erkennbar bleibt, worauf sich die Regelung bezieht.
Streit mit privater Hochschule? Vertragsklauseln jetzt überprüfen lassen
Das OLG Stuttgart hat pauschale Zeugnis-Einbehaltungsklauseln und Haftungsausschlüsse bei Studiengangsabsagen für unwirksam erklärt. Unsere Rechtsanwälte analysieren Ihre Vertragsunterlagen und klären, ob auch Ihre Hochschule unzulässige Klauseln verwendet. Sie erfahren, welche Ansprüche auf Herausgabe von Dokumenten oder Schadensersatz Ihnen jetzt zustehen.
Experten-Kommentar
Die Einbehaltung von Zeugnissen ist in der Realität das schärfste Druckmittel privater Hochschulen. Oft wissen die Anbieter genau, dass Absolventen für den Berufseinstieg unter massivem Zeitdruck stehen und sich langwierige Prozesse schlicht nicht leisten können. Deshalb spekulieren viele Institute darauf, dass Betroffene trotz unwirksamer Klauseln klein beigeben und unberechtigte Forderungen zähneknirschend bezahlen.
Wer hier blockiert wird, sollte nicht bloß freundlich bitten, sondern sofort eine harte Deadline setzen und mit einer einstweiligen Verfügung drohen. Da der Jobantritt meist unmittelbar bevorsteht, bejahen Gerichte im Ernstfall die nötige Eile, was den Druck auf die Hochschule massiv erhöht. Oft reicht schon dieser rechtliche Wink, damit das Zeugnis sofort freigegeben wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Darf die Hochschule mein Zeugnis einbehalten, wenn ich noch Schulden aus Studiengebühren habe?
Nein, die Hochschule darf Ihr Abschlusszeugnis nicht pauschal wegen offener Studiengebühren einbehalten. Eine solche Klausel in Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist nach § 307 BGB regelmäßig unwirksam, wenn sie die gesetzlichen Grenzen des Zurückbehaltungsrechts aus § 273 BGB ohne Verhältnismäßigkeitsprüfung erweitert.
Das Gesetz erlaubt ein Zurückbehaltungsrecht nur, wenn beide Forderungen in einem engen Zusammenhang stehen und die Verweigerung der Leistung nicht über das erforderliche Maß hinausgeht. Bei einem Abschlusszeugnis spricht zusätzlich viel dafür, dass dessen Bedeutung für die berufliche Existenz des Studierenden schwerer wiegt als das reine Zahlungsinteresse der Hochschule. Deshalb darf eine Hochschule nicht pauschal sagen, sie behalte das Zeugnis so lange, bis alle Gebühren oder Nebensachen erledigt sind.
Etwas anderes kann nur in eng begrenzten Einzelfällen gelten, wenn keine AGB-Klausel, sondern ein gesetzlich tragfähiges Zurückbehaltungsrecht im konkreten Fall geprüft wird. Für die Praxis sollten Sie die Klausel schriftlich zurückweisen und die Herausgabe des Zeugnisses unter Fristsetzung verlangen.
Welche Kosten kann ich bei einer Absage des Studiengangs über die Gebühren hinaus einfordern?
Sie können neben den Studiengebühren alle vergeblichen Aufwendungen und Folgeschäden als Schadensersatz verlangen, etwa Umzugskosten, Mietvertragsstrafen oder bereits bezahlte Übergangslösungen. Eine bloße Rückzahlung der Gebühren reicht dann nicht aus, wenn die Hochschule den Studiengang ersatzlos absagt.
Rechtlich geht es dabei um Vertrauensschäden nach § 280 BGB, also um Kosten, die Sie im berechtigten Vertrauen auf den Studienstart aufgewendet haben und die nun nutzlos geworden sind. Wenn die Hochschule in AGB die Haftung für grobe Fahrlässigkeit, Vorsatz oder Erfüllungsgehilfen pauschal ausschließen will, ist diese Begrenzung regelmäßig unwirksam. Dann muss sie auch Schäden ersetzen, die über die gezahlten Entgelte hinausgehen, sofern Sie sie belegen können und sie kausal auf der Absage beruhen.
Erfasst sind nur Schäden, die nachweisbar und wirtschaftlich nachvollziehbar mit der Absage zusammenhängen, nicht aber völlig freie Entscheidungen ohne Bezug zum Studienbeginn. Sinnvoll ist deshalb, alle Rechnungen, Kündigungen und Zahlungsbelege sofort zu sichern, damit sich der Umfang des Schadens später konkret beziffern lässt.
Verliere ich mein Sonderkündigungsrecht, wenn ich den Nachweis über das nicht bestandene Abitur verspäte?
Ja, Sie verlieren Ihr Sonderkündigungsrecht, wenn Sie den Nachweis über das nicht bestandene Abitur nicht innerhalb von sieben Tagen einreichen. Die Ein-Wochen-Frist ist wirksam und bindend, sodass bei Versäumnis der reguläre Studienvertrag weiterläuft.
Der Grund ist, dass die Klausel Ihnen überhaupt erst ein Sonderkündigungsrecht einräumt, das das Gesetz so nicht vorsieht. Solche verbraucherbegünstigenden Abweichungen sind nach der AGB-Kontrolle regelmäßig zulässig, auch wenn sie an eine kurze, aber klar berechenbare Nachweisfrist geknüpft werden. Maßgeblich ist, dass die Frist mit der schriftlichen Bekanntgabe des Nichtbestehens beginnt und Sie das Ergebnis durch ein offizielles schulisches Dokument belegen müssen. Versäumen Sie diese Frist, entfällt die vertraglich eingeräumte Lösungsmöglichkeit, und die Hochschule kann weiterhin Studiengebühren verlangen.
Warten Sie deshalb nicht auf das Zeugnis per Post, wenn die Noten bereits bekannt gegeben wurden. Beantragen Sie das offizielle Dokument sofort am Tag der Bekanntgabe, damit Sie die Frist sicher einhalten. Die Fristberechnung richtet sich nach den §§ 187 bis 193 BGB.
Wie fordere ich mein Abschlusszeugnis rechtssicher ein, wenn die Hochschule die Herausgabe verweigert?
Fordern Sie das Abschlusszeugnis schriftlich, per Einschreiben und mit einer klaren Frist von 14 Tagen heraus. Verweisen Sie dabei ausdrücklich darauf, dass pauschale Einbehaltungsklauseln nach dem Urteil des OLG Stuttgart unwirksam sein können, wenn sie ohne Verhältnismäßigkeitsprüfung greifen.
Ein mündliches Gespräch reicht dafür nicht aus, weil Sie den Zugang Ihrer Aufforderung später beweisen müssen. In dem Schreiben sollten Sie das Zeugnis konkret bezeichnen, die Herausgabe verlangen und die Hochschule für den Fall des Fristablaufs zur unverzüglichen Erfüllung auffordern. Rechtlich stützt sich Ihr Anspruch regelmäßig auf die vertragliche Pflicht zur Zeugniserteilung und darauf, dass § 273 BGB ein Zurückbehaltungsrecht nur im gesetzlichen Rahmen erlaubt. Gerade bei Abschlusszeugnissen spricht die erhebliche Bedeutung für Beruf und Bewerbung gegen eine pauschale Blockade.
Wenn die Hochschule nicht reagiert, können Sie nach Fristablauf weitere Schritte ankündigen und den Anspruch notfalls anwaltlich oder gerichtlichen durchsetzen lassen. Ist die Klausel in Ihrem Vertrag sehr weit formuliert, sollten Sie zusätzlich prüfen lassen, ob auch Gebührenforderungen oder Rückgabeprobleme überhaupt einen wirksamen Zurückbehaltungsgrund tragen.
Hinweis/Disclaimer: Teile der Inhalte dieses Beitrags, einschließlich der FAQ, wurden unter Einsatz von Systemen künstlicher Intelligenz erstellt oder überarbeitet und anschließend redaktionell geprüft. Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen unverbindlichen Information und stellen keine Rechtsberatung im Einzelfall dar und können eine solche auch nicht ersetzen. Trotz sorgfältiger Bearbeitung kann keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernommen werden. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigene Verantwortung; eine Haftung wird im gesetzlich zulässigen Umfang ausgeschlossen.
Wenn Sie einen ähnlichen Fall haben und konkrete Fragen oder Anliegen klären möchten, kontaktieren Sie uns bitte für eine individuelle Prüfung Ihrer Situation und der aktuellen Rechtslage.
Das vorliegende Urteil
OLG Stuttgart – Az.: 2 UKl 6/25 – Urteil vom 21.05.2026
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Ich bin seit meiner Zulassung als Rechtsanwalt im Jahr 2003 Teil der Kanzlei der Rechtsanwälte Kotz in Kreuztal bei Siegen. Als Fachanwalt für Verkehrsrecht und Fachanwalt für Versicherungsrecht, sowie als Notar setze ich mich erfolgreich für meine Mandanten ein. Weitere Tätigkeitsschwerpunkte sind Mietrecht, Strafrecht, Verbraucherrecht, Reiserecht, Medizinrecht, Internetrecht, Verwaltungsrecht und Erbrecht. Ferner bin ich Mitglied im Deutschen Anwaltverein und in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften. Als Rechtsanwalt bin ich bundesweit in allen Rechtsgebieten tätig und engagiere mich unter anderem als Vertragsanwalt für […] mehr über Dr. Christian Gerd Kotz




