Übersicht:
- Das Wichtigste im Überblick
- Wer übernimmt die Bestimmung des zuständigen Gerichts?
- Redaktionelle Leitsätze
- Wann ist Verweisung nicht bindend?
- Experten-Kommentar
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Was kann ich tun, wenn sich kein Gericht für meine Klage zuständig fühlt?
- Kann ich selbst den Antrag stellen, damit ein übergeordnetes Gericht die Zuständigkeit bestimmt?
- Wie verhindere ich lange Verzögerungen, wenn Gerichte meine Akte hin und her schieben?
- Habe ich eine Chance gegen eine Verweisung, die mein Anwalt für völlig unbegründet hält?
- Das vorliegende Urteil

Zum vorliegenden Urteilstext springen: 101 AR 84/26 e
Das Wichtigste im Überblick
Das Gericht bestimmt das Landgericht Hof als zuständig, weil die Verweisung nicht willkürlich war.
- Das Amtsgericht verwies den Streit an das Landgericht Hof.
- Die Verweisung blieb bindend, obwohl die Rechtslage umstritten war.
- Maßgeblich war eine vertretbare alte Wertgrenze für das Mahnverfahren.
- Ein bloßer Rechtsfehler reicht nicht, um die Bindung zu brechen.
- Gericht: Bayerisches Oberstes Landesgericht
- Datum: 01.07.2026
- Aktenzeichen: 101 AR 84/26 e
- Verfahren: Bestimmung des zuständigen Gerichts
- Rechtsbereiche: Zivilprozessrecht, Zuständigkeit, Mahnverfahren
- Relevant für: Gerichte, Kläger, Beklagte, Anwälte
Wer übernimmt die Bestimmung des zuständigen Gerichts?
Ein negativer Kompetenzkonflikt liegt vor, wenn sich sowohl ein Amts- als auch ein Landgericht rechtskräftig für sachlich unzuständig erklären. Die Bestimmung des zuständigen Gerichts erfolgt in solchen Fällen gemäß § 36 Abs. 1 Nr. 6 ZPO. In Bayern ist dafür das Bayerische Oberste Landesgericht zuständig, und zwar nach § 36 Abs. 2 ZPO in Verbindung mit § 9 EGZPO.
Die jeweils beiden Parteien mitgeteilte und ausdrücklich ausgesprochene Leugnung der eigenen Zuständigkeit erfüllt das Tatbestandsmerkmal „rechtskräftig“ im Sinne des § 36 Abs. 1 Nr. 6 ZPO. – so das Bayerische Oberste Landesgericht
Das bedeutet konkret: „Sachlich unzuständig“ heißt, dass die falsche Gerichtsebene angerufen wurde – nicht der falsche Ort. Ob Amtsgericht oder Landgericht in erster Instanz entscheidet, hängt vor allem vom Streitwert ab: Bis 5.000 Euro ist in der Regel das Amtsgericht zuständig, darüber das Landgericht.
Zu einer solchen Pattsituation kam es zwischen dem Amtsgericht Hof und dem Landgericht Hof: Beide Gerichte erklärten sich für unzuständig, das Landgericht legte die Sache schließlich dem Bayerischen Obersten Landesgericht zur Entscheidung vor (Az. 101 AR 84/26 e). Es ging um die sachliche Zuständigkeit als Eingangsinstanz in einem Streit, bei dem ein Mann von einer Frau als Drittschuldnerin Zahlung aus einem Pfändungs- und Überweisungsbeschluss verlangte – und diese ihrerseits im Wege der Widerklage die Feststellung einer geringeren Schuld begehrte.
Zum Hintergrund: Bei einem Pfändungs- und Überweisungsbeschluss pfändet ein Gläubiger eine Forderung, die sein Schuldner seinerseits gegen einen Dritten hat. Das Gericht überweist diese Forderung an den Gläubiger, der sich das Geld dann direkt vom Dritten – dem sogenannten Drittschuldner – holen kann. Hier forderte der Mann also Geld von der Frau, weil sein eigentlicher Schuldner bei ihr eine Forderung hatte, die er gepfändet hatte.
Redaktionelle Leitsätze
- Ein Verweisungsbeschluss, mit dem sich ein Gericht für unzuständig erklärt und den Rechtsstreit an ein anderes Gericht abgibt, ist grundsätzlich bindend. Diese Bindungswirkung entfällt nur in den eng begrenzten Ausnahmefällen, in denen die Entscheidung jeder gesetzlichen Grundlage entbehrt und somit objektiv als willkürlich einzustufen ist.
- Stützt ein Gericht seine Verweisung auf eine rechtlich vertretbare, wenngleich umstrittene Auslegung einer unklaren oder noch nicht höchstrichterlich geklärten Übergangsvorschrift zu neuen Streitwertgrenzen, scheidet ein Willkürbefund aus. Unterschiedliche Rechtsauffassungen zwischen Instanzgerichten rechtfertigen selbst bei rechtlicher Fragwürdigkeit keine Durchbrechung der Bindungswirkung.

Wann ist Verweisung nicht bindend?
Verweisungsbeschlüsse sind nach § 281 Abs. 2 Sätze 2 und 4 ZPO grundsätzlich bindend und unanfechtbar. Diese Bindung
Ein Verweisungsbeschluss ist die Entscheidung eines Gerichts, das sich für unzuständig hält und den Fall an ein anderes Gericht verweist. Das Problem im Kompetenzkonflikt: Beide Gerichte haben einen solchen Beschluss gefasst – jedes hält das jeweils andere für zuständig. Die Bindungswirkung bedeutet dann: Das Gericht, an das verwiesen wurde, muss den Fall annehmen und darf sich nicht erneut für unzuständig erklären.
Nach ständiger Rechtsprechung kommt einem Verweisungsbeschluss allerdings dann keine Bindungswirkung zu, wenn dieser schlechterdings nicht als im Rahmen des § 281 ZPO ergangen angesehen werden kann, etwa weil er […] jeder gesetzlichen Grundlage entbehrt und deshalb als willkürlich betrachtet werden muss. – so das Bayerische Oberste Landesgericht
BayObLG-Entscheidung zum Kompetenzkonflikt: Was Betroffene tun können, wenn kein Gericht zuständig sein will
Erklären sich sowohl Amtsgericht als auch Landgericht rechtskräftig für unzuständig, muss der Rechtsstreit nicht stillstehen. In Bayern bestimmt das Bayerische Oberste Landesgericht auf Antrag das zuständige Gericht (§ 36 Abs. 1 Nr. 6 ZPO). Wer als Partei in einem solchen Kompetenzkonflikt feststeckt, kann selbst einen Bestimmungsantrag beim BayObLG stellen, statt auf die Vorlage durch eines der Gerichte zu warten.
Die Entscheidung des Oberlandesgerichts ist bindend – das bestimmte Gericht muss den Fall annehmen und kann die Zuständigkeit nicht erneut ablehnen. Parteien sollten daher prüfen, ob beide Verweisungsbeschlüsse bereits rechtskräftig sind, und gegebenenfalls den Antrag auf Gerichtsbestimmung aktiv betreiben, um Verfahrensverzögerungen zu vermeiden.
Kein Gericht will zuständig sein? So lösen Sie die Blockade
Ein negativer Kompetenzkonflikt bringt Ihr Verfahren zum Stillstand. Unsere Rechtsanwälte prüfen, ob die Voraussetzungen für einen Bestimmungsantrag beim zuständigen Oberlandesgericht nach § 36 Abs. 1 Nr. 6 ZPO vorliegen und ob beide Verweisungsbeschlüsse bereits rechtskräftig sind. Wir formulieren den Antrag und sorgen dafür, dass Ihr Rechtsstreit schnellstmöglich vor dem dann bindend bestimmten Gericht fortgeführt wird.
Experten-Kommentar
Hier droht ein massiver Zeitverlust auf kaltem Wege. Wenn sich Gerichte über Monate hinweg die Akten wie eine heiße Kartoffel hin- und herschieben, blockiert das nicht nur das Verfahren, sondern zermürbt auch die Mandanten spürbar. Solche Kompetenzkonflikte entstehen in der Praxis meistens dann, wenn Streitwertgrenzen knapp kalkuliert sind oder komplexe Widerklagen das Gefüge verschieben.
Wer hier zu lange passiv bleibt und auf die Gerichte hofft, verliert wertvolle Zeit. Betroffene sollten über ihre Anwälte die Initiative ergreifen und den Bestimmungsantrag zügig selbst stellen, anstatt auf eine amtswegige Vorlage zu warten. Das verkürzt die Hängepartie enorm und zwingt die Justiz endlich zu einer klaren Entscheidung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was kann ich tun, wenn sich kein Gericht für meine Klage zuständig fühlt?
Wenn sich kein Gericht zuständig fühlt, können Sie selbst einen Bestimmungsantrag beim zuständigen Oberlandesgericht stellen. Bei einem negativen Kompetenzkonflikt sorgt § 36 Abs. 1 Nr. 6 ZPO dafür, dass ein übergeordnetes Gericht verbindlich festlegt, welches Gericht Ihren Fall bearbeiten muss.
Ein negativer Kompetenzkonflikt liegt vor, wenn sich etwa Amtsgericht und Landgericht jeweils rechtskräftig für sachlich unzuständig erklären. Dann soll das Verfahren nicht auf unbestimmte Zeit liegen bleiben, sondern durch ein zuständiges Obergericht zugewiesen werden. In Bayern ist dafür regelmäßig das Bayerische Oberste Landesgericht zuständig, weil § 36 Abs. 2 ZPO in Verbindung mit § 9 EGZPO dorthin verweist. Sie müssen also nicht abwarten, bis die Gerichte den Konflikt untereinander lösen, sondern können selbst tätig werden.
Voraussetzung ist allerdings, dass beide Verweisungsbeschlüsse bereits rechtskräftig sind, also keine Rechtsmittel mehr offenstehen. Erst dann ist der Antrag auf Gerichtsbestimmung sinnvoll und zulässig. Das bestimmte Gericht ist anschließend an die Entscheidung gebunden und darf die Zuständigkeit nicht erneut verneinen.
Kann ich selbst den Antrag stellen, damit ein übergeordnetes Gericht die Zuständigkeit bestimmt?
Ja, Sie können als Partei selbst einen Bestimmungsantrag stellen, damit das übergeordnete Gericht die Zuständigkeit verbindlich festlegt. § 36 Abs. 1 Nr. 6 ZPO gibt Ihnen dieses Antragsrecht ausdrücklich.
Das Gesetz will vermeiden, dass Sie in einem Kompetenzkonflikt zwischen zwei Gerichten feststecken und nur passiv auf eine Vorlage warten müssen. Erklären sich sowohl das zuerst angerufene als auch das verwiesene Gericht rechtskräftig für unzuständig, kann die Zuständigkeit auf Antrag durch das Oberlandesgericht bestimmt werden. In Bayern ist dafür das Bayerische Oberste Landesgericht zuständig, in anderen Bundesländern regelmäßig das jeweilige Oberlandesgericht nach § 36 Abs. 2 ZPO in Verbindung mit § 9 EGZPO. Entscheidend sind die beiden Verweisungsbeschlüsse, weil daraus der negative Kompetenzkonflikt und die Rechtskraft folgen.
Wie verhindere ich lange Verzögerungen, wenn Gerichte meine Akte hin und her schieben?
Verzögerungen vermeiden Sie, indem Sie die Rechtskraft beider Verweisungsbeschlüsse prüfen und nach Eintritt der Bindungswirkung sofort einen Bestimmungsantrag beim Bayerischen Obersten Landesgericht stellen. Warten Sie nicht auf weitere Bewegung zwischen den Gerichten, weil der Kompetenzkonflikt das Verfahren sonst nur weiter blockiert.
Ein negativer Kompetenzkonflikt entsteht, wenn sich zwei Gerichte jeweils für unzuständig erklären und die Sache deshalb liegen bleibt. Nach § 36 Abs. 1 Nr. 6 ZPO kann dann das zuständige Gericht bestimmt werden; in Bayern ist dafür das Bayerische Oberste Landesgericht nach § 36 Abs. 2 ZPO in Verbindung mit § 9 EGZPO zuständig. Der Bestimmungsantrag ist der wirksamste Weg, weil er die Sache aus der Warteschleife zwischen den Gerichten herausnimmt und eine verbindliche Zuständigkeitsentscheidung erzwingt. Diese Entscheidung bindet das später bestimmte Gericht, sodass es den Fall nicht noch einmal ablehnen darf.
Bringen Sie dagegen nur wiederholt Schriftsätze bei den streitenden Gerichten ein oder bitten Sie mehrfach um Auskunft, löst das den Stillstand regelmäßig nicht. Sinnvoll ist allein, vorab schriftlich zu klären, ob beide Verweisungsbeschlüsse bereits rechtskräftig sind, und dann den Antrag ohne weitere Verzögerung zu stellen. Nur wenn die Beschlüsse noch nicht bindend sind, fehlt die Grundlage für die Bestimmung; dann muss zunächst die Rechtskraft abgewartet werden.
Habe ich eine Chance gegen eine Verweisung, die mein Anwalt für völlig unbegründet hält?
JA, eine Verweisung kann nur angegriffen werden, wenn der Beschluss objektiv willkürlich ist und jeder gesetzlichen Grundlage entbehrt. Eine bloße andere Rechtsauffassung Ihres Anwalts reicht dafür nicht aus, weil Verweisungsbeschlüsse nach § 281 Abs. 2 Sätze 2 und 4 ZPO grundsätzlich bindend sind.
Der Grund dafür ist die Verfahrensruhe: Ein Rechtsstreit soll nicht zwischen Gerichten hin- und hergeschoben werden, nur weil die Zuständigkeitsfrage anders beurteilt werden kann. Deshalb genügt es nicht, dass der Beschluss falsch oder umstritten erscheint; er muss schlechterdings nicht mehr vertretbar sein und sich als willkürliche Entscheidung darstellen. Das ist nur selten der Fall, etwa wenn das Gericht eine eindeutige Zuständigkeitsregel ignoriert oder seine Entscheidung gar nicht nachvollziehbar begründet.
Um eine realistische Chance zu haben, muss der Beschluss also eine so gravierende rechtliche Lücke aufweisen, dass er außerhalb des § 281 ZPO liegt. Unterschiedliche Auslegungen, ungeklärte Übergangsvorschriften oder vertretbare Irrtümer reichen regelmäßig nicht aus, selbst wenn sie aus Sicht des Anwalts klar falsch sind.
Hinweis/Disclaimer: Teile der Inhalte dieses Beitrags, einschließlich der FAQ, wurden unter Einsatz von Systemen künstlicher Intelligenz erstellt oder überarbeitet und anschließend redaktionell geprüft. Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen unverbindlichen Information und stellen keine Rechtsberatung im Einzelfall dar und können eine solche auch nicht ersetzen. Trotz sorgfältiger Bearbeitung kann keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernommen werden. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigene Verantwortung; eine Haftung wird im gesetzlich zulässigen Umfang ausgeschlossen.
Wenn Sie einen ähnlichen Fall haben und konkrete Fragen oder Anliegen klären möchten, kontaktieren Sie uns bitte für eine individuelle Prüfung Ihrer Situation und der aktuellen Rechtslage.
Das vorliegende Urteil
Az.: 101 AR 84/26 e – Beschluss vom 01.07.2026
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Ich bin seit meiner Zulassung als Rechtsanwalt im Jahr 2003 Teil der Kanzlei der Rechtsanwälte Kotz in Kreuztal bei Siegen. Als Fachanwalt für Verkehrsrecht und Fachanwalt für Versicherungsrecht, sowie als Notar setze ich mich erfolgreich für meine Mandanten ein. Weitere Tätigkeitsschwerpunkte sind Mietrecht, Strafrecht, Verbraucherrecht, Reiserecht, Medizinrecht, Internetrecht, Verwaltungsrecht und Erbrecht. Ferner bin ich Mitglied im Deutschen Anwaltverein und in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften. Als Rechtsanwalt bin ich bundesweit in allen Rechtsgebieten tätig und engagiere mich unter anderem als Vertragsanwalt für […] mehr über Dr. Christian Gerd Kotz




