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Erstattung der Mietwagenkosten nach einem Unfall: Wann die Versicherung voll zahlt

Die Erstattung der Mietwagenkosten nach einem Unfall forderte eine gehbehinderte Frau aus Wittenberg, nachdem ihre Versicherung die Rechnung unter Verweis auf abstrakte Markttabellen massiv gekürzt hatte. In der Provinz stellt sich die Frage, ob theoretische Preislisten schwerer wiegen als ein notwendiger Mietwagen für eine gehbehinderte Person in einer ländlichen Region.

Den vorliegenden Urteilstext lesen: Urteil Az.: 8 C 245/23 (IV)

Das Wichtigste in Kürze

  • Gericht: Amtsgericht Wittenberg
  • Datum: 27.11.2023
  • Aktenzeichen: 8 C 245/23 (IV)
  • Verfahren: Schriftliches Verfahren um Mietwagenkosten
  • Rechtsbereiche: Verkehrsrecht, Schadensersatzrecht

Versicherung muss Mietwagenkosten voll zahlen trotz Berufung auf pauschale Preislisten oder Internetangebote.

  • Pauschale Preislisten bilden lokale Marktverhältnisse in ländlichen Regionen oft nicht ausreichend ab
  • Gerichte berücksichtigen bei der Kostenprüfung die persönliche Gehbehinderung der verunglückten Person
  • Spätere Internetangebote sind ungültig bei fehlender zeitlicher Übereinstimmung oder mangelnder lokaler Verfügbarkeit
  • Anmietung beim reparierenden Autohaus ist im ländlichen Raum zulässig und wirtschaftlich nachvollziehbar

Wer trägt die Mietwagenkosten nach einem Unfall?

Ein Verkehrsunfall bringt oft nicht nur Blechschäden, sondern auch organisatorischen Ärger mit sich. Wer auf sein Fahrzeug angewiesen ist, benötigt für die Dauer der Reparatur einen Ersatzwagen. Doch genau hier entzündet sich häufig Streit zwischen der geschädigten Person und der gegnerischen Haftpflichtversicherung.

Vor einer Werkstatt nimmt eine ältere Frau mit Gehhilfe mühsam einen Autoschlüssel von einem Mechaniker entgegen.Vor einer Werkstatt nimmt eine ältere Frau mit Gehhilfe mühsam einen Autoschlüssel von einem Mechaniker entgegen.
Die Erstattung von Mietwagenkosten nach Unfällen orientiert sich an lokalen Marktverhältnissen statt an pauschalen Listenwerten. | Symbolbild: KIDie Erstattung von Mietwagenkosten nach Unfällen orientiert sich an lokalen Marktverhältnissen statt an pauschalen Listenwerten. | Symbolbild: KI

So erging es einer Autofahrerin aus der Region Wittenberg. Nach einem unverschuldeten Unfall mietete sie ein Ersatzfahrzeug an, doch die Versicherung des Unfallverursachers weigerte sich, die Rechnung in voller Höhe zu begleichen. Der Versicherer verwies auf theoretische Marktlisten und günstigere Internetangebote. Das Amtsgericht Wittenberg musste in seinem Urteil vom 27.11.2023 (Az. 8 C 245/23 (IV)) klären, ob pauschale Listenwerte die reale Situation vor Ort in einer ländlichen Region schlagen.

Der Fall begann am 13. Februar 2023 auf der Bundesstraße 187 in Richtung Wittenberg. Das Auto der Frau wurde bei einem Zusammenstoß beschädigt. Die Schuldfrage war eindeutig: Die Gegenseite haftete zu 100 Prozent. Da die Geschädigte gehbehindert ist und auch für kurze Strecken dringend mobil bleiben musste, beauftragte sie ihr vertrautes Autohaus nicht nur mit der Reparatur, sondern mietete dort direkt einen Ersatzwagen an.

Für die Mietdauer von 15 Tagen stellte das Autohaus insgesamt 1.553,59 Euro in Rechnung. Die gegnerische Versicherung überwies jedoch lediglich 957,96 Euro und kürzte die Erstattung damit um fast 600 Euro. Die Autofahrerin wollte diese Kürzung nicht hinnehmen und zog vor Gericht.

Welche Gesetze regeln den Anspruch auf einen Mietwagen?

Die rechtliche Basis für die Erstattung von Mietwagenkosten findet sich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Gemäß § 823 BGB in Verbindung mit dem § 3 Pflichtversicherungsgesetz hat ein Unfallopfer Anspruch auf Schadensersatz. Der Grundsatz der sogenannten Naturalrestitution (§ 249 BGB) besagt, dass der Schädiger den Zustand herstellen muss, der bestehen würde, wenn der Unfall nicht passiert wäre. Dazu gehört auch die Mobilität während der Reparaturzeit.

Allerdings gilt dieser Anspruch nicht grenzenlos. Das Gesetz schreibt dem Geschädigten eine Schadensminderungspflicht (§ 254 BGB) vor. Das bedeutet: Ein Unfallopfer darf die Kosten nicht unnötig in die Höhe treiben. Es muss, so die juristische Formulierung, ein „wirtschaftlich denkender Mensch“ sein.

Hier entsteht das Spannungsfeld: Darf man einfach den nächstbesten Wagen mieten, oder muss man erst Preise vergleichen? Versicherungen argumentieren oft mit abstrakten Listen, um die Preise zu drücken. Die bekanntesten Tabellenwerke sind:

  • Die Schwacke-Liste: Sie basiert auf einer Umfrage bei Mietwagenanbietern und weist tendenziell höhere Preise aus.
  • Die Fraunhofer-Liste: Diese Tabelle wertet Internetangebote aus und kommt meist zu deutlich niedrigeren Durchschnittspreisen.

Die Rechtsprechung ist sich uneinig, welche Liste anzuwenden ist – oder ob überhaupt eine dieser Listen die Realität korrekt abbildet.

Warum kürzte die Versicherung die Zahlung?

Das Versicherungsunternehmen vertrat im Prozess eine klare Linie: Die Rechnung des Autohauses sei überhöht. Zur Begründung zog der Konzern primär die Fraunhofer-Liste heran. Nach den dortigen Werten sei ein vergleichbares Fahrzeug deutlich günstiger zu haben gewesen. Ergänzend verwies die Versicherung auch auf die Schwacke-Liste, interpretierte diese jedoch ebenfalls zu ihren Gunsten.

Um zu beweisen, dass die Frau unwirtschaftlich gehandelt habe, legte die Versicherung dem Gericht Screenshots von Internetangeboten vor. Diese sollten zeigen, dass zu anderen Zeitpunkten billigere Mietwagen verfügbar gewesen wären. Aus Sicht des Versicherers hätte der bereits gezahlte Betrag von 957,96 Euro vollkommen ausgereicht, um den Mobilitätsbedarf zu decken. Die Anmietung direkt im Autohaus, das auch die Reparatur durchführte, betrachtete die Versicherung als unnötig teuer.

Die betroffene Autofahrerin hielt dagegen: In ihrer sehr ländlichen Wohngegend gebe es kaum Auswahl an Mietwagenstationen. Aufgrund ihrer Gehbehinderung sei es ihr zudem nicht zuzumuten gewesen, erst lange Recherchen anzustellen oder zu weit entfernten Stationen zu reisen. Die Anmietung im reparierenden Autohaus sei der einfachste und naheliegendste Weg gewesen, die Mobilität zu sichern.

Wie bewertete das Gericht die Angemessenheit der Kosten?

Das Amtsgericht Wittenberg gab der Autofahrerin vollumfänglich Recht. Der Richter entschied, dass die Versicherung die restlichen 595,64 Euro sowie die vorgerichtlichen Anwaltskosten nachzahlen muss.

Absage an die pauschale Listen-Mathematik

Das Kernargument des Gerichts ist eine deutliche Absage an die schematische Anwendung von Preistabellen. Der Richter stellte klar, dass weder die Fraunhofer-Liste noch die Schwacke-Liste blind angewendet werden dürfen, um Ansprüche zu kürzen. Entscheidend sei nicht der bundesweite Durchschnitt, sondern die konkrete Marktsituation vor Ort.

Das Gericht orientierte sich dabei an der Rechtsprechung des übergeordneten Landgerichts Dessau-Roßlau (Urteil vom 5 S 28/23) sowie den Grundsätzen des Oberlandesgerichts Naumburg. Diese Instanzen fordern eine Einzelfallbewertung statt einer pauschalen Deckelung.

Das Amtsgericht führte in seiner Begründung aus:

„Entscheidend für die Bemessung der Angemessenheit der Mietwagenkosten ist […] nicht die pauschale Heranziehung von überregionalen Listenwerten […], sondern die Prüfung der in der konkreten ländlichen Region tatsächlich vorhandenen Anbieter- und Marktverhältnisse sowie die besonderen Umstände des Einzelfalls.“

Die Realität in einer ländlichen Region

Ein entscheidender Faktor für das Urteil war die Geografie. In einer ländlichen Region wie dem Raum um Wittenberg ist die Dichte an Autovermietern deutlich geringer als in Großstädten. Die von der Versicherung vorgelegten Internetangebote bildeten diese lokale Knappheit nicht ab. Zudem passten die Internet-Screenshots zeitlich nicht exakt zur Mietdauer der Geschädigten.

Das Gericht wies darauf hin, dass theoretische Internetpreise nichts nützen, wenn das Fahrzeug vor Ort faktisch nicht verfügbar ist. Da die Versicherung nicht beweisen konnte, dass die Frau in ihrer konkreten Situation Zugriff auf ein deutlich günstigeres, tatsächlich verfügbares Fahrzeug in zumutbarer Entfernung hatte, lief das Argument der „Überteuerung“ ins Leere.

Die Rolle der persönlichen Situation

Besonders gewichtig war für das Gericht die persönliche Situation der Autofahrerin. Die unbestrittene Gehbehinderung der Frau schränkte ihre Möglichkeiten ein, Marktforschung zu betreiben oder verschiedene Vermietstationen aufzusuchen.

Wer körperlich beeinträchtigt ist, ist in besonderem Maße auf ein Fahrzeug angewiesen – auch für kurze Wege. Die Anmietung direkt bei dem Autohaus, in dem der eigene Wagen repariert wird, wertete das Gericht daher nicht als Luxus oder Faulheit, sondern als nachvollziehbare und vernünftige Handlung.

Das Gericht stellte fest:

„Der Umstand, dass der Mietwagen beim Autohaus angemietet wurde, das die Reparatur durchführte, wird nicht als sachlich zu beanstandende Selbstbedienung […] gewertet; vielmehr war dies angesichts der Mobilitätseinschränkung der Klägerin und der örtlichen Verhältnisse nachvollziehbar.“

Berechnung des Anspruchs

Da die Einwände der Versicherung (Pauschalisten und theoretische Internetpreise) widerlegt waren und keine konkreten Beweise für eine „Kostenverschleuderung“ vorlagen, akzeptierte das Gericht die tatsächliche Rechnungssumme als angemessen.

Die Rechnung sah damit wie folgt aus:

  • Erforderliche Mietwagenkosten (laut Rechnung): 1.553,59 Euro
  • Bereits gezahlt durch die Versicherung: – 957,96 Euro
  • Restanspruch der Geschädigten: 595,64 Euro

Welche Konsequenzen hat das Urteil?

Mit diesem Urteil stärkt das Amtsgericht Wittenberg die Position von Unfallopfern in ländlichen Regionen. Es macht deutlich, dass Versicherungen Rechnungen nicht einfach automatisiert anhand von Listen kürzen dürfen, ohne die lokalen Gegebenheiten und die persönliche Situation der Betroffenen zu prüfen.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar. Die Versicherung muss nicht nur die offene Restforderung begleichen, sondern auch:

  1. Verzugszinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 12. April 2023.
  2. Die vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten der Autofahrerin in Höhe von 80,44 Euro (nebst Zinsen).
  3. Die gesamten Kosten des Rechtsstreits gemäß § 91 ZPO.

Für die Praxis bedeutet dies: Wer nach einem unverschuldeten Unfall einen Mietwagen benötigt, muss zwar auf die Kosten achten, sich aber nicht auf fiktive Internetpreise verweisen lassen – besonders dann nicht, wenn gesundheitliche Einschränkungen oder eine schlechte Infrastruktur die Suche nach Alternativen erschweren. Die „Erforderlichkeit“ der Kosten bemisst sich an der realen Welt, nicht an einer Excel-Tabelle.

Mietwagenkosten gekürzt? Jetzt Ansprüche sicher durchsetzen

Versicherungen lehnen die volle Übernahme von Mietwagenkosten oft mit Verweis auf abstrakte Listen ab, ohne die lokale Verfügbarkeit vor Ort zu berücksichtigen. Unser Fachanwalt für Verkehrsrecht prüft Ihren individuellen Fall und setzt Ihre berechtigten Forderungen konsequent gegenüber der Gegenseite durch. Wir unterstützen Sie dabei, dass die Versicherung den Schaden unter Berücksichtigung aller regionalen Besonderheiten und Ihrer persönlichen Situation reguliert.

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Experten Kommentar

Vorsicht bei den Kürzungsschreiben der Versicherer, die oft wie in Stein gemeißelt wirken. In der Realität handelt es sich meist um automatisierte Textbausteine, die den Geschädigten lediglich zermürben sollen. Die Versicherungen spekulieren darauf, dass man den Aufwand eines Rechtsstreits wegen ein paar hundert Euro scheut.

Ich rate dazu, bereits am Tag der Anmietung einfache Screenshots von verfügbaren Fahrzeugen bei Anbietern im nahen Umkreis zu machen. Wenn die theoretischen Billig-Angebote der Versicherung vor Ort faktisch gar nicht existieren, bricht deren gesamte Argumentation meist sofort zusammen. Ohne diese zeitnahe Dokumentation wird die Beweisführung Monate später im Prozess unnötig schwierig.


Symbolbild für Rechtsfragen (FAQ): Allegorische Justitia mit Waage und Richterhammer.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Darf die Versicherung Mietwagenkosten durch nachträgliche Internet-Recherchen kürzen?

Nein, grundsätzlich ist dies nicht zulässig. Die Versicherung muss die konkrete Verfügbarkeit des günstigeren Fahrzeugs zum Unfallzeitpunkt an Ihrem Wohnort nachweisen. Ein nachträglich erstellter Screenshot von Vergleichsportalen reicht rechtlich nicht aus. Theoretische Preise ohne tatsächlichen Zugriff sind für die Schadensberechnung irrelevant.

Das Amtsgericht Wittenberg bestätigte diese Auffassung in einem Urteil. Richter stellten klar, dass Internetangebote die reale Marktsituation vor Ort nicht verdrängen dürfen. Eine nachträgliche Recherche beweist nicht, dass dieses Auto im konkreten Dorf faktisch bereitstand. Ohne Nachweis der Realisierbarkeit bleibt das Angebot ein wertloses Argument. Versicherungen nutzen Screenshots oft als reines Druckmittel. Rechtlich entscheidend sind jedoch die tatsächlich vorhandenen Anbieterverhältnisse zum Unfallzeitpunkt. Die Beweislast für die günstigere Alternative trägt die Versicherung.

Unser Tipp: Prüfen Sie Datum und Standort auf den Screenshots genau. Passen diese nicht exakt zu Ihrem Unfalltag und Wohnort, sollten Sie der Kürzung sofort widersprechen.


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Wie beweise ich die mangelnde Verfügbarkeit günstiger Mietwagen vor Ort?

Sie führen den Beweis durch eine lückenlose Dokumentation der infrastrukturellen Gegebenheiten in Ihrem unmittelbaren Wohnumfeld. In ländlichen Regionen müssen Sie keine weiten Wege zur nächsten Mietwagenstation auf sich nehmen. Wenn im Radius von 15 Kilometern nur ein Anbieter existiert, definiert dieser den lokalen Marktpreis.

Die Gerichte stützen sich bei der Beurteilung primär auf die geografische Lage und die Dichte an Autovermietern. Existiert etwa im Raum Wittenberg nur ein einziger Anbieter, bildet dessen Preisniveau die lokale Marktsituation ab. Sie müssen keine Angebote weit entfernter Großstädte akzeptieren. Im Streitfall liegt die Beweislast oft bei der Versicherung. Diese muss belegen, dass eine günstigere Alternative für Sie zumutbar erreichbar war.

Unser Tipp: Erstellen Sie eine Liste aller Mietwagenanbieter im Umkreis von 10 bis 15 Kilometern um Ihre Postleitzahl. Dokumentieren Sie so die mangelnde Auswahl.


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Gilt die volle Erstattung der Mietwagenkosten auch für Unfallopfer in Großstädten?

Wahrscheinlich nicht uneingeschränkt, da Sie in Ballungsgebieten strengeren Anforderungen unterliegen. Das Urteil aus Wittenberg basiert auf der geringen Anbieterdichte in ländlichen Regionen. In Großstädten greift die Schadenminderungspflicht nach § 254 BGB deutlich stärker. Hier ist ein Preisvergleich für Sie zumutbar.

Die Entscheidung aus Wittenberg betont die Marktverhältnisse in einer konkreten ländlichen Region. Dort fehlen oft Ausweichmöglichkeiten zu günstigeren Konditionen. In Großstädten ist die Auswahl an Mietwagenstationen hingegen riesig. Versicherer kürzen Rechnungen dort regelmäßig auf Basis gängiger Marktpreisspiegel. Wer ohne Vergleich das teuerste Angebot anmietet, verletzt seine Schadenminderungspflicht nach § 254 BGB. Dies führt oft zu Kürzungen von mehreren hundert Euro. Sie riskieren, auf diesen Kosten sitzen zu bleiben. Gerichte fordern in Ballungsräumen proaktive Vergleichsangebote.

Unser Tipp: Nutzen Sie bei einem Unfall in der Stadt kurz eine gängige Vergleichs-App. So schließen Sie Wucherpreise aus und sichern Ihren Erstattungsanspruch gegenüber der gegnerischen Versicherung ab.


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Wann ist die Anmietung im reparierenden Autohaus ohne Preisvergleich zulässig?

Die Anmietung direkt im reparierenden Autohaus ist zulässig, wenn objektive Gründe eine Recherche bei Drittanbietern unzumutbar machen. Das Gericht sieht den Komfort nur dann als gerechtfertigt an, wenn körperliche Beeinträchtigungen oder eine schlechte lokale Infrastruktur vorliegen. Ohne solche Hindernisse müssen Sie stets wirtschaftlich handeln.

Juristen stützen sich hierbei auf die Verpflichtung zur Schadensminderung gemäß § 254 BGB. Normalerweise müssen Geschädigte den günstigsten Tarif am Markt wählen. Liegt jedoch eine Mobilitätseinschränkung vor, wird der Komfort nicht als Kostenverschleuderung gewertet. Der enge Zusammenhang zwischen Reparatur und Miete bleibt unter diesen besonderen Umständen geschützt. Ohne diese Hindernisse riskieren Sie jedoch eine Kürzung durch die gegnerische Versicherung. Sie müssen dann beweisen, warum ein Preisvergleich vor Ort unmöglich war.

Unser Tipp: Fragen Sie im Autohaus gezielt nach dem Standard-Tarif und dokumentieren Sie etwaige körperliche Beschwerden oder fehlende Busverbindungen sofort. So sichern Sie Ihren Erstattungsanspruch ab.


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Muss ich trotz körperlicher Behinderung vor der Anmietung Marktpreise vergleichen?

Nein, in der Regel müssen Sie das nicht. Ihre körperliche Einschränkung reduziert die rechtliche Zumutbarkeit für eine aufwendige Suche nach dem günstigsten Mietwagen. Das Gericht wertet Ihre persönliche Situation hier als entscheidenden Faktor. Wer kaum laufen kann, muss keine Preise checken oder entfernte Stationen aufsuchen.

Rechtlich sinkt bei einer Gehbehinderung die Grenze Ihrer Schadenminderungspflicht gemäß § 254 BGB deutlich. Eine Mobilitätseinschränkung macht die Organisation von Ersatzfahrzeugen schwerer. Das Gericht erkennt an, dass die Anmietung am nächsten Ort vernünftig ist. Die Versicherung darf hier keine theoretischen Sparpotenziale gegenrechnen. Im konkreten Urteil wurde entschieden, dass lange Recherchen oder Reisen zu Billiganbietern unzumutbar waren. Die gesundheitliche Situation schlägt das rein wirtschaftliche Interesse der Versicherung. Ohne diese Einschränkung müssten Sie jedoch Vergleichsangebote einholen.

Unser Tipp: Legen Sie der Versicherung proaktiv Nachweise über Ihre Einschränkung bei. Ein Schwerbehindertenausweis belegt die Unzumutbarkeit von Preisvergleichen sofort.


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Hinweis: Bitte beachten Sie, dass die Beantwortung der FAQ Fragen keine individuelle Rechtsberatung darstellt und ersetzen kann. Alle Angaben im gesamten Artikel sind ohne Gewähr. Haben Sie einen ähnlichen Fall und konkrete Fragen oder Anliegen? Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Wir klären Ihre individuelle Situation und die aktuelle Rechtslage.


Das vorliegende Urteil


Amtsgericht Wittenberg – Aktenzeichen: 8 C 245/23 (IV) – Urteil vom 27.11.2023


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