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Gerichtliche Bestellung eines Schiedsrichters: Wer zahlt die Kosten?

In einem Erbbaurechtsstreit forderte eine Partei die gerichtliche Bestellung eines Schiedsrichters, da die Gegenseite trotz Vereinbarung dieser Pflicht nicht nachkam. Doch selbst Einwände bezüglich angeblich fehlender Fristen und unklarer Streitbezeichnung konnten die Erzwingung der Schiedsvereinbarung nicht stoppen.

Zum vorliegenden Urteil Az.: 26 SchH 3/22 | Schlüsselerkenntnis | FAQ  | Glossar  | Kontakt

Das Wichtigste in Kürze

  • Gericht: Oberlandesgericht Frankfurt am Main
  • Datum: 25.05.2022
  • Aktenzeichen: 26 SchH 3/22
  • Verfahren: Verfahren zur Bestellung eines Schiedsrichters
  • Rechtsbereiche: Schiedsverfahrensrecht, Zivilprozessrecht, Vertragsrecht

  • Das Problem: Zwei Vertragsparteien hatten vereinbart, Streitigkeiten vor einem Schiedsgericht zu klären, wobei jede Partei einen Schiedsrichter benennen sollte. Eine Partei forderte die andere auf, ihren Schiedsrichter zu benennen, was diese aber nicht tat.
  • Die Rechtsfrage: Muss das Gericht einen Schiedsrichter für die säumige Partei bestellen? Reicht eine vorherige Aufforderung dazu aus, oder braucht es eine mindestens einmonatige Frist und eine sehr detaillierte Beschreibung des Streits?
  • Die Antwort: Ja, das Gericht hat einen Schiedsrichter für die säumige Partei bestellt. Das Gericht befand, dass die vertraglich vereinbarte Ernennungspflicht verletzt wurde. Es war keine einmonatige Frist notwendig, und die vorherige schriftliche Aufforderung enthielt genügend Informationen zum Streitgegenstand.
  • Die Bedeutung: Wenn Parteien vertraglich ein Schiedsgericht vereinbart haben, kann das Gericht einen Schiedsrichter für eine Partei bestimmen, die ihrer Benennungspflicht nicht nachkommt. Dabei sind keine unnötig langen Fristen oder übermäßig detaillierte Streitbeschreibungen in der ersten Aufforderung erforderlich, solange der Streitgegenstand grundsätzlich erkennbar ist.

Der Fall vor Gericht


Warum musste das Gericht einen Schiedsrichter für eine Vertragspartei bestimmen?

Ein Streit um Baumaßnahmen, unerlaubte Nutzung und fehlende Unterlagen schwelte zwischen den Parteien eines Erbbaurechtsvertrags. Der Vertrag selbst bot eine Lösung: Statt eines langwierigen Prozesses vor staatlichen Gerichten sollte ein privates Schiedsgericht entscheiden. Der Weg dorthin schien klar. Jede Seite benennt einen Schiedsrichter.

Eine Partei leitet per „Auforderung zur Benennung eines Schiedsrichters“ das Schiedsverfahren wegen Vertragsbruch ein.
Gericht bestellte Schiedsrichter nach vertraglicher Schiedsklausel, weil eine Partei zur Benennung säumig war; Kosten trägt sie. | Symbolbild: KI-generiertes Bild

Eine Partei tat genau das und forderte die Gegenseite auf, nachzuziehen. Die Antwort war Schweigen. Als der Fall vor Gericht kam, um die gerichtliche Bestellung eines Schiedsrichters zu erzwingen, präsentierte die Gegenseite einen formalen Einwand, der das ganze Verfahren kippen sollte. Die Aufforderung sei unwirksam, weil eine bestimmte Frist fehle und der Streit nicht präzise genug beschrieben sei. Es war der Versuch, sich durch ein prozessuales Nadelöhr aus der Affäre zu ziehen. Das Oberlandesgericht Frankfurt musste nun prüfen, ob das Recht tatsächlich solch formale Fallen stellt.

Ist eine einmonatige Frist für die Schiedsrichter-Bestellung nötig?

Die Gegenseite argumentierte, die Aufforderung zur Benennung eines Schiedsrichters sei fehlerhaft. Es fehle die gesetzlich vorgesehene Frist von einem Monat. Ein cleverer Schachzug, der auf eine spezifische Regelung in der Zivilprozessordnung (§ 1035 Abs. 3 ZPO) abzielte. Dort ist eine solche Frist tatsächlich genannt.

Das Gericht pulverisierte dieses Argument mit einer klaren juristischen Logik. Die Regelung aus dem Gesetz greift nur als eine Art Standardeinstellung. Sie kommt dann zum Tragen, wenn die Vertragspartner selbst keine eigene Prozedur für die Einsetzung des Schiedsgerichts vereinbart haben.

Hier lag der Fall anders. Die Parteien hatten in ihrem Vertrag ein eigenes, maßgeschneidertes Verfahren festgelegt: Jede Seite benennt einen Schiedsrichter, die dann gemeinsam einen Vorsitzenden wählen. Eine solche individuelle Vereinbarung hat Vorrang vor der allgemeinen gesetzlichen Regel. Der Vertrag ist König. Da der Vertrag keine Monatsfrist vorsah, konnte sich die Gegenseite auch nicht auf eine solche berufen, um ihre Pflicht zur Schiedsrichter-Benennung zu umgehen.

Wie detailliert muss eine Aufforderung sein, um ein Schiedsverfahren einzuleiten?

Der zweite Einwand der Gegenseite zielte auf den Inhalt der Aufforderung. Das Schreiben vom 20. Dezember 2021 sei zu unbestimmt. Es beschreibe den Streitgegenstand nicht genau genug, um die Einleitung eines Schiedsverfahrens zu rechtfertigen. Im Kern lautete der Vorwurf: Wir wissen gar nicht präzise, worüber wir streiten sollen.

Auch diesen Versuch, das Verfahren zu blockieren, wies das Gericht zurück. Die Richter stellten klar, dass der Startschuss für ein Schiedsverfahren keine juristisch perfekte Klageschrift sein muss. Das Gesetz (§ 1044 ZPO) verlangt lediglich, dass die Parteien, die Schiedsvereinbarung und der Streitgegenstand „bezeichnet“ werden.

Um das zu verstehen, muss man den gesamten Schriftverkehr betrachten. Das entscheidende Schreiben vom 20. Dezember war nicht die erste Kommunikation. Bereits am 28. September hatte die eine Partei ihre Vorwürfe in einem langen anwaltlichen Schreiben detailliert dargelegt. Dort ging es ganz konkret um unerlaubte Baumaßnahmen, um die Forderung nach bestimmten Unterlagen und um Rückbauansprüche. Das spätere Schreiben zur Einleitung des Schiedsverfahrens bezog sich auf diesen bereits bekannten Sachverhalt. Für die Gegenseite bestand kein Zweifel, worum es ging. Eine schlagwortartige Kennzeichnung des Konflikts reicht an dieser Stelle aus. Der Sinn der Regel ist, dass der Empfänger erkennen kann, ob der Streit überhaupt von der Schiedsvereinbarung erfasst ist – und das war hier zweifelsfrei der Fall.

Wer trägt die Kosten, wenn ein Gericht die Schiedsrichter-Bestellung erzwingt?

Die Entscheidung des Gerichts war eindeutig. Es bestellte für die säumige Partei einen erfahrenen Richter im Ruhestand als Schiedsrichter. Damit war das Schiedsgericht komplett und konnte seine Arbeit aufnehmen.

Die Kosten für dieses gerichtliche Verfahren zur Bestellung des Schiedsrichters musste die unterlegene Partei tragen. Das ist ein Grundprinzip des deutschen Prozessrechts: Wer verliert, zahlt. Die Weigerung, ihrer vertraglichen Pflicht zur Benennung eines Schiedsrichters nachzukommen, hatte für die Gegenseite Konsequenzen. Sie hatte nicht nur den Start des Schiedsverfahrens verzögert, sondern musste am Ende auch die Rechnung für den Umweg über das staatliche Gericht begleichen.

Die Urteilslogik

Vertragliche Schiedsvereinbarungen setzen Parteien zur Schiedsrichterbenennung in die Pflicht und dulden keine prozessualen Hürden, die den Beginn der Streitschlichtung verzögern.

  • Vorrang der Vertragsautonomie: Vertragliche Regelungen zur Schiedsrichterbenennung treten vorrangig neben oder an die Stelle gesetzlicher Standardfristen.
  • Klarheit der Streitbezeichnung: Eine schlagwortartige Kennzeichnung des Streitgegenstandes genügt in der Schiedsverfahrenseinleitung, sofern der Kontext die genauen Konfliktpunkte bereits klärt und die Einordnung unter die Schiedsvereinbarung ermöglicht.
  • Kostenpflicht bei Verweigerung: Die Partei, die ihrer Pflicht zur Schiedsrichterbenennung nicht nachkommt und damit eine gerichtliche Bestellung veranlasst, begleicht die daraus entstehenden Verfahrenskosten.

Gerichte stellen sicher, dass vereinbarte Schiedsverfahren ihren Lauf nehmen und weisen formalistische Einwände ab, die eine Streitbeilegung verhindern sollen.


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Experten Kommentar

Manchmal klingt die Einigung auf ein Schiedsgericht nach einem cleveren Ausweg aus langen Prozessen. Doch was, wenn die Gegenseite plötzlich auf jedes Komma pocht, um das Ganze zu torpedieren? Das Urteil zeigt klar: Wer eine Schiedsklausel unterschreibt, muss am Ende auch mitspielen. Formalistische Einwände gegen die Einleitung, wie fehlende Fristen oder zu allgemeine Streitbeschreibungen, laufen oft ins Leere, wenn der Vertrag oder die Kommunikation die Absicht deutlich machen. Das Gericht schützt hier die Wirksamkeit solcher Vereinbarungen und sorgt dafür, dass sich niemand mit Spitzfindigkeiten davor drücken kann – inklusive der Kosten für den Verzögerungsversuch.


Symbolbild für Rechtsfragen (FAQ): Allegorische Justitia mit Waage und Richterhammer.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche allgemeinen Voraussetzungen muss ein Schiedsrichter erfüllen?

Während das Gesetz keine starren Berufsqualifikationen für Schiedsrichter vorschreibt, sind für das Gericht bei einer notwendigen Bestellung primär die fachliche Kompetenz und Unparteilichkeit der Person entscheidend. Ein gutes Beispiel dafür ist die Ernennung eines erfahrenen Richters im Ruhestand, was dessen juristische Expertise und die Fähigkeit zur unabhängigen Urteilsfindung unterstreicht. Parteien können im Schiedsvertrag eigene Kriterien festlegen.

Juristen nennen das Prinzip der Parteiautonomie. Zunächst haben Sie und die Gegenseite nämlich die volle Freiheit, die Anforderungen an Ihren Schiedsrichter im Schiedsvertrag selbst festzulegen. Dies können spezifische Berufsqualifikationen, bestimmte Fachkenntnisse oder auch eine Altersgrenze sein. Gibt es jedoch keine Einigung, oder blockiert eine Seite die Benennung, tritt das staatliche Gericht auf den Plan. Dieses muss dann eine geeignete Person bestellen. Dabei spielt die objektive Eignung eine zentrale Rolle. Typischerweise wird jemand ausgewählt, der über ausgeprägte juristische Fachkenntnis und entsprechende Erfahrung verfügt. Denkbar sind hier also Juristen oder auch eben jene erfahrene Richter im Ruhestand.

Ein passender Vergleich ist die Auswahl eines Arztes für eine komplexe Operation: Sie würden ebenfalls keinen Freund ohne medizinische Ausbildung wählen, sondern einen Spezialisten mit nachweisbarer Expertise und einem Ruf für neutrale Entscheidungen. Ähnlich ist es beim Schiedsrichter: Sachkenntnis und Unvoreingenommenheit sind unerlässlich für ein glaubwürdiges Ergebnis.

Prüfen Sie zuerst Ihren bestehenden Schiedsvertrag auf spezifische Anforderungen an die Schiedsrichter, zum Beispiel hinsichtlich Fachrichtung, Alter oder Berufserfahrung. Sind keine Kriterien genannt, skizzieren Sie eigenständig die für Ihren konkreten Streitfall wichtigen Qualifikationen. Falls Sie selbst einen Kandidaten benennen müssen, suchen Sie objektiv nach jemandem, der mit dem relevanten Rechtsgebiet vertraut ist und die nötige Unabhängigkeit mitbringt. Eine Wahl aufgrund von Freundschaft oder Sympathie kann das Verfahren gefährden.


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Welche Rechte habe ich, wenn die Gegenseite meine Schiedsaufforderung ignoriert?

Wenn die Gegenseite Ihre wirksame Aufforderung zur Schiedsrichterbenennung ignoriert, haben Sie das Recht, beim staatlichen Gericht die Bestellung eines Schiedsrichters zu beantragen. Damit wird das blockierte Schiedsverfahren in Gang gesetzt. Die verursachten Kosten für diesen gerichtlichen Schritt trägt dabei die säumige Partei.

Viele Mandanten fragen sich, ob das Schiedsverfahren dann gescheitert ist. Keineswegs! Juristen nennen das einen „Stillstand“, der aber nicht das Ende bedeutet. Ihre Schiedsvereinbarung bleibt gültig. Statt untätig zu bleiben, können Sie die Initiative ergreifen. Sie stellen einen Antrag beim zuständigen staatlichen Gericht, meist dem Oberlandesgericht. Dort legen Sie dar, dass ein gültiger Schiedsvertrag existiert und Sie die Gegenseite korrekt zur Schiedsrichterbenennung aufgefordert haben, diese aber nicht reagierte.

Das Gericht prüft, ob Ihre ursprüngliche Aufforderung wirksam war. War der Streitgegenstand ausreichend beschrieben? Gab es unnötige Fristen, die nicht vertraglich vereinbart waren? Wenn Ihre Aufforderung den formalen Anforderungen genügt, wird das Gericht für die säumige Partei einen Schiedsrichter ernennen. Dieser Schritt ist essenziell, um das Schiedsgericht zu konstituieren und den Weg für eine zügige Streitbeilegung zu ebnen.

Denken Sie an ein gemeinsames Projekt, für das Sie sich auf zwei Verantwortliche geeinigt haben. Wenn eine Person sich weigert, ihre Rolle zu besetzen, können Sie einen Notfallplan aktivieren. Sie bitten eine übergeordnete Instanz, diese Position zu besetzen, damit das Projekt überhaupt starten kann.

Bleiben Sie keinesfalls passiv. Dokumentieren Sie genau, wann und wie Sie die Gegenseite zur Schiedsrichterbenennung aufgefordert haben. Sichern Sie alle Korrespondenz zum Streitgegenstand. Konsultieren Sie umgehend einen auf Schiedsrecht spezialisierten Anwalt. Er hilft Ihnen, den gerichtlichen Antrag vorzubereiten und stellt sicher, dass keine wichtigen Fristen ungenutzt verstreichen.


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Wie beantrage ich die gerichtliche Bestellung eines Schiedsrichters?

Um die gerichtliche Bestellung eines Schiedsrichters zu beantragen, müssen Sie darlegen, dass eine wirksame Schiedsvereinbarung besteht, Ihre Aufforderung zur Schiedsrichterbenennung formal korrekt war und die Gegenseite ihrer Pflicht nicht nachgekommen ist. Nur so kann das blockierte Verfahren wieder in Gang gebracht werden, um eine faire Streitbeilegung zu ermöglichen. Das Gericht prüft diese Punkte akribisch.

Die Regel lautet: Bevor Sie gerichtliche Hilfe in Anspruch nehmen können, müssen Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben. Eine gültige Schiedsvereinbarung ist das Fundament; ohne sie ist der Weg zum Schiedsgericht nicht eröffnet. Anschließend ist es Ihre Aufgabe, die Gegenseite formgerecht zur Benennung eines Schiedsrichters aufzufordern. Hier gilt es, präzise vorzugehen. Achten Sie genau darauf, ob Ihr Schiedsvertrag eine Frist für die Schiedsrichterbenennung vorsieht. Ist das nicht der Fall, brauchen Sie in Ihrer Aufforderung keine unnötige Monatsfrist zu setzen. Der Streitgegenstand muss ebenfalls ausreichend präzise bezeichnet sein. Eine perfekte Klageschrift ist hier nicht zwingend notwendig; ein Verweis auf frühere, detaillierte Korrespondenz genügt oft.

Ein passender Vergleich ist der eines Staffellaufs: Jede Übergabe muss reibungslos erfolgen, sonst geht das Rennen nicht weiter. Haben Sie den Staffelstab (die Aufforderung) korrekt übergeben und die Gegenseite lässt ihn fallen, muss ein Schiedsrichter vom Gericht eingesetzt werden. Zuständig für diesen Antrag ist typischerweise das Oberlandesgericht (OLG). Es entscheidet, ob das Schiedsverfahren am Ort des Schiedsgerichts oder am Wohnsitz der säumigen Partei ansässig ist. Im Antrag müssen Sie alle relevanten Details detailliert darlegen. Sie belegen die Existenz der Schiedsvereinbarung, die korrekte und fristgerechte Aufforderung Ihrerseits sowie das Ausbleiben der Benennung durch die Gegenseite.

Sammeln Sie umgehend alle relevanten Unterlagen. Dazu gehören Ihr Schiedsvertrag, die Aufforderung zur Schiedsrichterbenennung und der gesamte Schriftverkehr zum Streitgegenstand. Vermeiden Sie unbedingt den Versuch, den gerichtlichen Antrag ohne juristische Expertise selbst zu formulieren. Formale Fehler oder unzureichende Darlegungen können zu langwierigen Rückfragen und unnötigen Verzögerungen führen. Vereinbaren Sie stattdessen einen Beratungstermin bei einem auf Schiedsrecht spezialisierten Anwalt. Diese professionelle Unterstützung ist entscheidend, um den Antrag sorgfältig und rechtssicher vorzubereiten.


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Was geschieht, wenn beide Parteien keinen Schiedsrichter benennen?

Wenn beide Parteien ihre Pflicht zur Schiedsrichterbenennung versäumen, kommt das Schiedsverfahren zum Stillstand. Diese Blockade lösen Sie in der Regel, indem Sie einen gerichtlichen Antrag stellen. Das zuständige Gericht bestellt dann die fehlenden Schiedsrichter, um das vereinbarte Schiedsgericht arbeitsfähig zu machen. Dadurch kann der Streit wie ursprünglich gewollt beigelegt werden.

Ein Schiedsgericht benötigt zwingend alle seine Mitglieder, um überhaupt tätig werden zu können. Sind diese nicht benannt, bleibt das Verfahren in einer Sackgasse stecken. Eine solche Konstellation bedeutet jedoch nicht das Ende Ihrer Möglichkeit, den Streit beizulegen.

Vielmehr haben Sie das Recht, aktiv zu werden. Genau wie bei einer einzelnen Partei, die sich weigert, können Sie als betroffene Partei das staatliche Gericht anrufen. Dort beantragen Sie dann die Bestellung der fehlenden Schiedsrichter. Das Gericht prüft Ihre Schiedsvereinbarung. Sein Ziel ist es, den im Vertrag vereinbarten Weg der Streitbeilegung zu schützen und das Schiedsverfahren zu ermöglichen.

Ein passender Vergleich ist der Bau eines Hauses, bei dem die Bauherren und der Architekt die Handwerker nicht auswählen. Ohne ein komplettes Team kann der Bau nicht beginnen. Genauso wenig kann ein Schiedsgericht ohne vollständige Besetzung seine Arbeit aufnehmen und eine Entscheidung fällen. Jemand muss die Initiative ergreifen, um die fehlenden Bauarbeiter – oder eben Schiedsrichter – zu engagieren.

Überprüfen Sie zunächst genau Ihren Schiedsvertrag. Er könnte spezifische Verfahrensweisen für den Fall der beidseitigen Nichtbenennung enthalten. Finden Sie dort keine Regelung, sollten Sie umgehend handeln. Sammeln Sie alle relevanten Unterlagen und konsultieren Sie einen Anwalt, der auf Schiedsrecht spezialisiert ist. Dieser kann Sie beim Stellen des nötigen Antrags an das zuständige Oberlandesgericht unterstützen. So heben Sie die Blockade effektiv auf.


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Was kostet mich ein Schiedsverfahren im Vergleich zum staatlichen Gericht?

Für die Gesamtkosten eines Schiedsverfahrens gegenüber einem staatlichen Gericht bietet der Artikel zwar keine direkte Übersicht, macht aber klar: Verweigert eine Partei die Schiedsrichterbenennung, muss sie die Kosten der gerichtlichen Bestellung tragen. Das ist ein wichtiger Fingerzeig für zusätzliche Ausgaben, die durch Blockadehaltung entstehen können.

Das Gericht hat klargestellt, dass die Kosten für die erzwungene Bestellung eines Schiedsrichters immer die Partei tragen muss, die ihre Pflicht zur Benennung ignoriert hat. Wer sich sperrt und einen richterlichen Eingriff nötig macht, zahlt die Rechnung dafür. Diese Regelung ist ein klares Signal: Eine kooperative Haltung zahlt sich finanziell aus. Im Gegenzug geht der Artikel leider nicht darauf ein, wie sich die gesamten Kosten eines Schiedsverfahrens – etwa für Schiedsrichterhonorare oder Anwaltsgebühren im eigentlichen Verfahren – im Vergleich zu einem staatlichen Prozess darstellen. Diese umfassende Gegenüberstellung bleibt unbeantwortet.

Ein passender Vergleich ist die Situation eines Verkehrsrowdys: Er blockiert den Verkehr und muss am Ende nicht nur sein Bußgeld zahlen, sondern auch für den Abschleppdienst aufkommen, den er nötig gemacht hat. So ähnlich verhält es sich mit den Zusatzkosten durch eine Schiedsrichter-Blockade.

Treffen Sie keine voreiligen Schlüsse über die Gesamtkosten eines Schiedsverfahrens, basierend allein auf den Gebühren für eine gerichtliche Schiedsrichterbestellung. Der wichtigste Rat ist: Holen Sie sich eine detaillierte Kostenübersicht. Vergleichen Sie die Schiedsrichterhonorare und die voraussichtlichen Anwaltskosten im Schiedsverfahren mit denen eines staatlichen Gerichts. Nur so erhalten Sie eine fundierte Entscheidungsgrundlage, um die finanzielle Tragweite realistisch einschätzen zu können.


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Hinweis: Bitte beachten Sie, dass die Beantwortung der FAQ Fragen keine individuelle Rechtsberatung darstellt und ersetzen kann. Alle Angaben im gesamten Artikel sind ohne Gewähr. Haben Sie einen ähnlichen Fall und konkrete Fragen oder Anliegen? Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Wir klären Ihre individuelle Situation und die aktuelle Rechtslage.


Juristisches Glossar: Symbolbild der Justitia mit Waage und Richterhammer.

Glossar


Juristische Fachbegriffe kurz erklärt

Erbbaurechtsvertrag

Ein Erbbaurechtsvertrag ist eine spezielle Vereinbarung, bei der jemand das Recht erhält, auf fremdem Grund und Boden ein eigenes Gebäude zu errichten oder zu besitzen. Dieses Recht wird als Erbbaurecht bezeichnet und erlaubt die getrennte Betrachtung von Grund und Gebäude. Das Gesetz ermöglicht so eine flexible Nutzung von Grundstücken, ohne dass diese verkauft werden müssen, was oft bei langfristigen Projekten von Vorteil ist.

Beispiel: Die Parteien im vorliegenden Fall hatten ihre Baumaßnahmen und Nutzungsrechte durch einen Erbbaurechtsvertrag geregelt, welcher die Grundlage für ihren späteren Streit bildete.

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Parteiautonomie

Parteiautonomie bedeutet, dass Vertragspartner – oder auch Prozessparteien – ihre rechtlichen Beziehungen und Verfahrensabläufe in weiten Grenzen eigenverantwortlich gestalten können. Juristen legen damit fest, dass individuelle Vereinbarungen Vorrang vor gesetzlichen Standardregelungen haben, sofern das Gesetz diese Freiheit nicht ausdrücklich einschränkt. Dieses Prinzip fördert die Vertragsfreiheit und erlaubt maßgeschneiderte Lösungen.

Beispiel: Im Fall entschied das Gericht, dass die Parteiautonomie im Schiedsvertrag Vorrang vor der gesetzlichen Monatsfrist zur Schiedsrichterbenennung hatte, weil die Parteien eine eigene Prozedur vereinbart hatten.

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Schiedsgericht

Ein Schiedsgericht ist eine private Einrichtung zur Streitbeilegung, die als Alternative zu staatlichen Gerichten funktioniert und deren Entscheidungen bindend sein können. Es existiert, um Konflikte schneller und oft auch vertraulicher zu lösen, als es vor ordentlichen Gerichten möglich wäre. Die Parteien vereinbaren im Vorfeld, ihre Auseinandersetzung nicht vor einem Richter, sondern vor privat bestellten Schiedsrichtern auszutragen.

Beispiel: Die ursprüngliche Absicht der Streitparteien war es, ihren Konflikt um Baumaßnahmen und Unterlagen vor einem Schiedsgericht zu klären, um einen langwierigen Prozess zu vermeiden.

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Schiedsrichter

Ein Schiedsrichter ist eine von den Parteien oder einem Gericht bestellte Person, die als neutrale Instanz einen Rechtsstreit im Rahmen eines Schiedsverfahrens entscheidet. Solche Personen sind entscheidend für die Funktionsfähigkeit eines Schiedsgerichts, da sie die Rolle der Richter übernehmen und auf Basis der Sachlage sowie des Rechts eine verbindliche Entscheidung fällen. Ihre Ernennung ist der erste Schritt zur Konstituierung des Schiedsgerichts.

Beispiel: Das Oberlandesgericht Frankfurt musste einen erfahrenen Richter im Ruhestand als Schiedsrichter für die säumige Partei bestellen, um das blockierte Schiedsverfahren in Gang zu setzen.

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Schiedsvereinbarung

Eine Schiedsvereinbarung ist ein Vertrag zwischen Parteien, in dem sie übereinkommen, künftige oder bereits bestehende Streitigkeiten nicht vor einem staatlichen Gericht, sondern durch ein privates Schiedsverfahren beilegen zu lassen. Juristen nennen das die Grundlage für die Zuständigkeit eines Schiedsgerichts. Sie dient dazu, die staatliche Gerichtsbarkeit abzuwählen und eine spezielle, oft schnellere oder vertraulichere Form der Konfliktlösung zu wählen.

Beispiel: Die Wirksamkeit der Schiedsvereinbarung der Parteien war unbestritten, aber die Gegenseite versuchte, die Einleitung des Schiedsverfahrens aufgrund formaler Mängel der Aufforderung zu verhindern.

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Streitgegenstand

Der Streitgegenstand bezeichnet den konkreten Kern eines Rechtsstreits – also die genaue Forderung oder das rechtliche Problem, über das ein Gericht oder Schiedsgericht entscheiden soll. Juristen verlangen eine klare Bezeichnung des Streitgegenstands, damit alle Beteiligten genau wissen, worüber gestritten wird und der Umfang des Verfahrens klar umrissen ist. Eine präzise Formulierung ist wichtig, um Verfahrensfehler zu vermeiden und eine faire Verhandlung zu gewährleisten.

Beispiel: Das Gericht stellte fest, dass der Streitgegenstand in der Aufforderung zur Schiedsrichterbenennung ausreichend präzise beschrieben war, da die vorherige Korrespondenz die Details zu Baumaßnahmen und Rückbauansprüchen enthielt.

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Wichtige Rechtsgrundlagen


  • Vorrang der vertraglichen Vereinbarung (Grundsatz der Vertragsfreiheit)
    Wenn Parteien in einem Vertrag eine spezifische Regelung getroffen haben, geht diese in der Regel vor allgemeinen gesetzlichen Vorgaben.
    Bedeutung im vorliegenden Fall: Da der Erbbaurechtsvertrag ein eigenes Verfahren zur Benennung von Schiedsrichtern festlegte, hatte diese individuelle Vereinbarung Vorrang vor der gesetzlich vorgesehenen Monatsfrist, die ansonsten als Standard greifen würde.
  • Gerichtliche Bestellung eines Schiedsrichters bei Nichterfüllung (§ 1035 Abs. 3 ZPO)
    Wenn eine Partei ihrer Pflicht zur Benennung eines Schiedsrichters nicht nachkommt, kann ein staatliches Gericht einen Schiedsrichter für sie bestellen.
    Bedeutung im vorliegenden Fall: Aufgrund der Weigerung der Gegenseite, einen eigenen Schiedsrichter zu benennen, musste das Gericht aktiv werden und diese Aufgabe übernehmen, um das vereinbarte Schiedsverfahren zu ermöglichen.
  • Erfordernisse der Einleitung eines Schiedsverfahrens (§ 1044 ZPO)
    Um ein Schiedsverfahren wirksam einzuleiten, muss die Aufforderung die Parteien, die Schiedsvereinbarung und den Streitgegenstand ausreichend bezeichnen.
    Bedeutung im vorliegenden Fall: Das Gericht stellte fest, dass die Aufforderung ausreichend präzise war, da der Streitgegenstand durch vorangegangene Kommunikation bereits bekannt war und die Aufforderung lediglich erkennen lassen musste, ob der Konflikt von der Schiedsvereinbarung erfasst war.
  • Grundsatz der Kostentragung im Prozess (z.B. § 91 Abs. 1 ZPO)
    Die Kosten eines gerichtlichen Verfahrens trägt grundsätzlich die Partei, die im Rechtsstreit unterliegt.
    Bedeutung im vorliegenden Fall: Da die Gegenseite mit ihren Einwänden scheiterte und die gerichtliche Bestellung des Schiedsrichters durch ihr eigenes Verhalten notwendig wurde, musste sie die Kosten dieses gerichtlichen Verfahrens tragen.

Das vorliegende Urteil


OLG Frankfurt – Az.: 26 SchH 3/22 – Beschluss vom 25.05.2022


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