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Router-Werbung: Reichweite und Geschwindigkeit im Haus verboten

Internetzugang auf drei Etagen versprochen – im Stahlbetonbau kommt kein Signal an. Wer einen Router kauft, vertraut auf Reichweiten-Angaben und Tempo-Werte auf der Packung. Doch was, wenn physikalische Grenzen die Werbeversprechen durchkreuzen und das Gerät am Ende nur im Wohnzimmer funkt?
Ein WLAN-Router im Flur vor einer massiven Betontreppe; im Hintergrund eine Person mit schlechtem Empfang auf dem Smartphone.
Das OLG Düsseldorf stufte pauschale Reichweitenversprechen für Router ohne Berücksichtigung baulicher Hindernisse als irreführende Werbung ein. Symbolfoto: KI

Zum vorliegenden Urteilstext springen: 20 U 83/21

Das Wichtigste im Überblick

Das OLG kippte nur eine Werbeaussage und bestätigte sonst das Verbot gegen die Router-Werbung.
  • Es hob nur Ziffer 3 der Verfügung auf und wies diesen Antrag zurück.
  • „Internet im ganzen Haus“ und „2.400 Mbit/s“ täuschen nach Gerichtssicht über Leistung.
  • „Bester WLAN-Router“ bleibt erlaubt, weil die Antragstellerin die Unwahrheit nicht genug zeigte.
  • Die Zuständigkeit von Düsseldorf griff durch; die falsche Gerichtswahl half der Antragsgegnerin nicht.

  • Gericht: OLG Düsseldorf
  • Datum: 16.12.2021
  • Aktenzeichen: 20 U 83/21
  • Verfahren: Berufung gegen einstweilige Verfügung
  • Rechtsbereiche: Wettbewerbsrecht, Zivilprozessrecht
  • Relevant für: Wettbewerber, Werbende Unternehmen, Onlinehandel

Ist die irreführende Werbung für Router unzulässig?

Eine geschäftliche Handlung ist irreführend nach § 5 Abs. 1 UWG – dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb –, wenn sie unwahre Angaben oder sonstige zur Täuschung geeignete Angaben über die wesentlichen Merkmale der Ware enthält. Maßgeblich für die Beurteilung ist der Gesamteindruck der Werbeaussage aus Sicht eines durchschnittlich informierten und verständigen Verbrauchers. Objektiv nachprüfbare Angaben über Reichweite und Leistungsfähigkeit sind dabei keine bloßen unverbindlichen Anpreisungen, also kein rechtlich erlaubtes Marketing-Bla-Bla, sondern konkrete Tatsachenbehauptungen, die stimmen müssen.

Ein Hersteller warb 2021 für seinen WiFi-6-Router mit Slogans wie „Internet im ganzen Haus“ und „beste Reichweite“. Das Oberlandesgericht Düsseldorf sah darin unter dem Aktenzeichen 20 U 83/21 eine Irreführung der angesprochenen Verbraucher, weil der Verkehr eine Versorgung ohne Zusatzgeräte wie Repeater erwarte – baulich sei das aber oft gar nicht möglich. Ein Wettbewerber aus der Telekommunikationsbranche, der die Unterlassung verlangt hatte, machte glaubhaft, dass bei Stahlbetondecken über mehr als zwei Stockwerke ohne zusätzliche Geräte keine flächendeckende WLAN-Versorgung gewährleistet ist.

Da die Antragsgegnerin damit wirbt, im ganzen Haus WLAN-Empfang zur Verfügung zu stellen und ausdrücklich den Begriff „Haus“ verwendet […] suggeriert sie jedoch, dass auch in Häusern, die nicht außergewöhnlich sind, aber jedenfalls eine Wohnfläche von über 120 qm oder drei Stockwerke aufweisen […] uneingeschränkter WLAN-Empfang möglich ist, ohne dass zusätzliche Geräte benötigt werden. – so das OLG Düsseldorf

Wer als Router-Hersteller mit flächendeckender Versorgung im gesamten Haus wirbt, muss sicherstellen, dass dieses Versprechen in typischen Wohnsituationen – etwa bei Stahlbetondecken über mehrere Etagen – ohne zusätzliche Hardware wie Repeater oder Mesh-Systeme tatsächlich haltbar ist. Verbraucher erwarten eine Vollversorgung aus der Box heraus. Kann das Gerät das physikalisch nicht leisten, ist die Werbung irreführend und abmahngefährdet. Prüfen Sie deshalb jede Reichweitenaussage gegen reale bauliche Bedingungen, bevor Sie sie schalten.

Infografik (Gegenüberstellung): Werbeversprechen zu WLAN-Abdeckung/Tempo vs. technische Realität, Fazit zu § 513 ZPO
Irreführende Versprechen bei Hardware? Das gilt

Redaktionelle Leitsätze

  1. Wirbt ein Hersteller für technisches Zubehör mit einer flächendeckenden Netzabdeckung für das gesamte Haus, liegt eine Irreführung vor, wenn eine solche Reichweite in typischen Wohnsituationen ohne den Einsatz von weiteren Zusatzgeräten physikalisch nicht gewährleistet werden kann.
  2. Die räumliche und zeitgleiche Verknüpfung von maximalen geräteinternen Leistungswerten mit allgemeinen Begriffen zur Internetverbindung suggeriert einen direkten sachlichen Zusammenhang und ist irreführend, wenn die tatsächliche Verbindungsgeschwindigkeit in der Praxis erheblich geringer ausfällt, da beim Durchschnittsverbraucher kein fachliches Technikwissen vorausgesetzt werden darf.
  3. Eine fehlerhafte Annahme der örtlichen Zuständigkeit durch das erstinstanzliche Gericht kann in der Berufungsinstanz grundsätzlich nicht mehr erfolgreich gerügt werden; diese gesetzliche Sperrwirkung gilt auch vollumfänglich in Eilverfahren, sofern weder eine objektive Willkür noch eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegen.

Wann liegt eine Irreführung zur DSL-Geschwindigkeit vor?

Die Irreführung kann sich nach § 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 UWG auch auf die Verfügbarkeit und die Merkmale einer Dienstleistung beziehen. Sie liegt vor, wenn durch die zeitgleiche Darstellung verschiedener Angaben ein unzutreffender sachlicher Zusammenhang suggeriert wird.

In einem TV-Spot des beklagten Unternehmens wurden die Angabe „2.400 Mbit/s“ und der Begriff „rasante DSL-Geschwindigkeit“ nebeneinander eingeblendet. Das Gericht wertete diese Kombination als irreführend, weil der Verkehr daraus eine DSL-Datenrate in dieser Höhe ableite – die tatsächliche maximale DSL-Rate liege aber erheblich darunter. Der Router-Anbieter hatte argumentiert, der Verkehr wisse ohnehin um die technischen Grenzen von DSL-Anschlüssen. Diesen Einwand verwarf der Senat, weil eine solche technische Vorbildung beim durchschnittlichen Verbraucher nicht unterstellt werden könne.

Angesichts der schnellen technischen Entwicklung und der ständig zunehmenden Leistungsfähigkeit von technischen Geräten im Mobilfunk- und Internetbereich ist nicht davon auszugehen, dass die von der Werbung angesprochenen Verkehrskreise wissen, welche maximale DSL-Geschwindigkeit derzeit technisch erreichbar ist. – so das OLG Düsseldorf

Trennen Sie in Ihrer Werbung strikt zwischen WLAN-Gerätegeschwindigkeit und tatsächlicher DSL-Übertragungsrate. Wenn Sie WiFi-6-Spitzenwerte wie „2.400 Mbit/s“ neben DSL-Begriffen platzieren, versteht der durchschnittliche Verbraucher dies als Versprechen genau dieser DSL-Geschwindigkeit – und nicht als technische Gerätekennung unter Laborbedingungen. Stellen Sie WLAN-Specs und DSL-Raten räumlich und begrifflich klar getrennt dar, um eine Abmahnung wegen suggerierter falscher Zusammenhänge zu vermeiden.

Achtung Falle: Technisches Vorwissen

Hersteller verlassen sich in Prozessen oft auf die Verteidigung, dass Verbraucher die technischen Grenzen ihrer Produkte (wie maximale DSL-Raten oder die Notwendigkeit von Repeatern in Stahlbetonbauten) ohnehin kennen. Gerichte weisen dieses Argument regelmäßig zurück. Maßstab ist stets der technisch nicht vorgebildete Durchschnittsverbraucher. Wer mit Leistungen wirbt, die im normalen Haushaltsalltag ohne Zusatzhardware physikalisch unmöglich sind, riskiert eine Abmahnung – selbst wenn die Angabe isoliert betrachtet technisch korrekt ist (wie die maximale WLAN-Geschwindigkeit des Routers).

Was gilt für die Spitzenstellung als der beste Router?

Eine Werbung als „Bester“ wird als objektive Spitzenstellungsbehauptung verstanden. Die Beweislast für die Unrichtigkeit einer solchen Behauptung liegt im Wettbewerbsprozess grundsätzlich bei demjenigen, der den Unterlassungsanspruch geltend macht.

Wahre Alleinstellungsbehauptung statt Irreführung

Der beklagte Hersteller bezeichnete sein Produkt als „der beste WLAN-Router“. Anders als bei den beiden vorangegangenen Streitpunkten hob das Oberlandesgericht Düsseldorf in diesem Punkt die einstweilige Verfügung – eine vorläufige gerichtliche Eilentscheidung, die ohne vollständiges Verfahren erlassen wird – auf, weil es die Aussage für wahr hielt. Das Gericht bestätigte damit die Aufhebung von Ziffer 3 der ursprünglichen Beschlussverfügung. Der klagende Wettbewerber konnte nicht ausreichend glaubhaft machen, dass zum Werbezeitpunkt ein vergleichbares, überlegenes Konkurrenzprodukt für Endkunden erhältlich war. Ein nachgereichter Verweis auf einen Test eines anderen Produkts genügte dem Senat nicht: Es handelte sich um einen nicht vergleichbaren Gaming-Router ohne DSL-Fähigkeit, dessen Verfügbarkeit für Endkunden zum maßgeblichen Zeitpunkt zudem nicht belegt war.

Angesichts der schnellen technischen Fortentwicklung wird der angesprochene Verkehr […] die Alleinstellungswerbung bei der Entwicklung unterliegenden technischen Produkten jedoch nicht dahingehend verstehen, dass das beworbene Produkt über Jahre hinweg das beste Produkt auf dem Markt ist und bleibt. – so das OLG Düsseldorf

Praxis-Hürde: Produktvergleichbarkeit

Wer als Wettbewerber gegen eine „Bester“-Werbung vorgehen will, muss die Beweislast schultern. Dabei reicht es nicht aus, irgendein überlegenes Produkt zu benennen. Das Gericht verlangt einen streng vergleichbaren Maßstab (z. B. gleiche Zielgruppe und gleiche Grundfunktionen) sowie den Nachweis, dass dieses Konkurrenzprodukt zum exakten Werbezeitpunkt auch tatsächlich für Endkunden erhältlich war. Scheitert der Kläger an dieser Hürde, darf der Hersteller seine Spitzenstellung weiter bewerben.

Wie ist die örtliche Zuständigkeit des Landgerichts geregelt?

Die örtliche Zuständigkeit richtet sich im Wettbewerbsrecht nach § 14 UWG. Gemäß § 513 Abs. 2 ZPO – der Zivilprozessordnung, die das gerichtliche Verfahren regelt – kann eine Berufung, also die Überprüfung eines Urteils durch das nächsthöhere Gericht, grundsätzlich nicht darauf gestützt werden, dass das Gericht des ersten Rechtszuges seine Zuständigkeit fälschlich angenommen hat. Das bedeutet konkret: Selbst wenn das erstinstanzliche Gericht eigentlich gar nicht zuständig war, bleibt das Verfahren dort – diese sogenannte Sperrwirkung gilt ausnahmslos, es sei denn objektive Willkür oder eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt vor.

Gemäß § 513 Abs. 2 ZPO kann eine Berufung grundsätzlich nicht darauf gestützt werden, dass das Gericht des ersten Rechtszuges seine Zuständigkeit fälschlich angenommen hat. – § 513 Abs. 2 ZPO

Vertretbare Auslegung schließt Willkür aus

Der im Landgerichtsbezirk Koblenz ansässige Router-Anbieter rügte die Zuständigkeit des Landgerichts Düsseldorf und verwies auf seinen Sitz sowie auf § 14 Abs. 2 Satz 3 Nr. 1 UWG. Das Oberlandesgericht hielt die landgerichtliche Auffassung zur Zuständigkeit zwar selbst für falsch, sah darin aber keine objektive Willkür. Das Landgericht hatte sich eingehend mit Gesetzeswortlaut, Gesetzgebungsmaterialien und Literatur auseinandergesetzt, seine Auffassung war zudem in Rechtsprechung und Literatur nicht vereinzelt geblieben. Eine Gehörsverletzung lag ebenfalls nicht vor, weil der Anbieter im Widerspruchsverfahren – einem förmlichen Verfahren, das nach Einspruch gegen eine Eilentscheidung mit mündlicher Verhandlung durchgeführt wird – ausreichend Gelegenheit hatte, zur Zuständigkeitsfrage vorzutragen.

Wann gibt es Unterlassung wegen Router-Werbung?

Ein Anspruch auf Unterlassung ergibt sich aus § 8 Abs. 1 UWG, wenn eine unzulässige geschäftliche Handlung nach § 3 oder § 5 UWG vorliegt. Im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes – einem beschleunigten Verfahren, das eine schnelle gerichtliche Entscheidung ermöglicht, bevor ein vollständiger Prozess stattfindet – kann eine Beschlussverfügung ergehen: ein vorläufiger Gerichtsbescheid, der dem Gegner sofort bestimmte Handlungen untersagt. Legt dieser Widerspruch ein, muss das Gericht in einer mündlichen Verhandlung entscheiden und die Eilentscheidung durch ein förmliches Urteil entweder bestätigen oder aufheben.

Das Landgericht Düsseldorf hatte die Unterlassungsverfügung unter dem Aktenzeichen 38 O 3/21 zunächst in vollem Umfang bestätigt. Das Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigte diese Unterlassungsverpflichtung für die Reichweiten- und Geschwindigkeitswerbung – hinsichtlich der Alleinstellungswerbung „bester WLAN-Router“ wurde der Unterlassungsantrag hingegen zurückgewiesen. Diese teilweise Aufhebung führte zu einer Kostenquote von 23 zu 77 Prozent zulasten des Wettbewerbers, der die Unterlassung beantragt hatte. Für beide Instanzen zusammen trägt der klagende Wettbewerber 23 Prozent der Verfahrenskosten, der beklagte Hersteller die restlichen 77 Prozent.

Was bedeutet das für Router-Werbung?

Das Oberlandesgericht Düsseldorf (Az. 20 U 83/21) hat als Berufungsinstanz entschieden – das Urteil ist noch nicht höchstrichterlich bestätigt, gibt aber die Richtung für alle Router-Anbieter in Deutschland vor. Es ist auf vergleichbare Netzwerkprodukte übertragbar, wherever Hersteller mit Reichweite, Geschwindigkeit oder Alleinstellung werben. Die Kernbotschaft: Der Durchschnittsverbraucher kennt keine technischen Limits, und Gerichte legen diesen strengen Maßstab konsequent an.

Router-Hersteller müssen jetzt ihre aktive Werbung prüfen: Reichweitenversprechen wie „Internet im ganzen Haus“ sind nur zulässig, wenn sie ohne Zusatzhardware in baulich typischen Wohnungen haltbar sind. Geschwindigkeitsangaben zu WLAN und DSL müssen deutlich getrennt kommuniziert werden, damit kein falscher Sachzusammenhang entsteht. Wettbewerber, die gegen solche Werbung vorgehen wollen, sollten jeden Anspruch einzeln auf Beweisfestigkeit prüfen – das Kostenrisiko bei teilweisem Unterliegen ist erheblich, wie die verhängte Kostenquote von 23 Prozent für den weitgehend erfolgreichen Kläger zeigt.

Die Kostenquote von 23 zu 77 Prozent zeigt: Wer als Wettbewerber gegen irreführende Router-Werbung vorgeht und mit auch nur einem von mehreren Ansprüchen scheitert, trägt einen spürbaren Anteil der Verfahrenskosten beider Instanzen – selbst bei überwiegendem Erfolg. Kalkulieren Sie dieses Kostenrisiko ein und prüfen Sie vor einer Abmahnung jeden einzelnen Unterlassungsanspruch auf seine Beweislage, bevor Sie ihn in den Antrag aufnehmen.


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Experten-Kommentar

In der Praxis scheitern Abmahnungen erstaunlich oft an überstürztem Aktionismus. Wer im Eifer des Gefechts jeden potenziellen Werbeverstoß des Konkurrenten in einen einzigen Antrag packt, baut sich selbst eine gefährliche Kostenfalle. Vor Gericht wird jeder Slogan isoliert bewertet, was bei einer teils abgewiesenen Klage schnell zu einer empfindlichen Quotelung der Prozesskosten führt.

Daher gilt im Wettbewerbsstreit die eiserne Regel: Weniger ist manchmal wirtschaftlich klüger. Konzentrieren Sie sich nur auf die Angriffe mit absolut wasserdichter Beweislage, anstatt mit der Schrotflinte zu schießen. Das schont nicht nur das eigene Budget, sondern erhöht auch den Druck auf den Gegner massiv.


Symbolbild für Rechtsfragen (FAQ): Allegorische Justitia mit Waage und Richterhammer.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Darf ich mit einer flächendeckenden WLAN-Versorgung werben, wenn ich eigentlich Repeater dafür benötige?

Nein, eine pauschale Werbung mit „flächendeckender WLAN-Versorgung“ ist irreführend, wenn dafür in typischen Wohnsituationen Zusatzgeräte wie Repeater nötig sind. Maßstab ist § 5 Abs. 1 UWG, also die Frage, welchen Gesamteindruck die Aussage beim durchschnittlichen Verbraucher auslöst.

Wer mit „Internet im ganzen Haus“ oder ähnlichen Formulierungen wirbt, verspricht nach diesem Verständnis eine Versorgung ohne weitere Hardware. Das ist unzulässig, wenn das Gerät in Mehrstockwerken, bei Stahlbetondecken oder in größeren Wohnungen den Empfang physikalisch nicht allein sicherstellen kann. Gerade objektive Reichweitenangaben gelten nicht als bloße Anpreisung, sondern als Tatsachenbehauptung, die im normalen Haushaltsalltag tragen muss. Fehlt diese Leistungsfähigkeit, liegt eine zur Täuschung geeignete Angabe über ein wesentliches Produktmerkmal vor.

Zulässig kann die Werbung nur sein, wenn Sie die Aussage technisch absichern oder die Einschränkung klar machen, etwa durch den Hinweis, dass für bestimmte Grundrisse Mesh-Systeme oder Repeater erforderlich sind. Entscheidend ist, dass der Verbraucher nicht den Eindruck einer Vollversorgung „aus der Box“ erhält, obwohl diese praktisch gar nicht gewährleistet ist.


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Muss ich die DSL-Geschwindigkeit räumlich von den technischen WLAN-Werten in meiner Anzeige trennen?

JA, WLAN-Spitzenwerte und DSL-Geschwindigkeit sollten Sie in der Anzeige räumlich und begrifflich trennen, weil die gemeinsame Darstellung einen falschen Sachzusammenhang nach § 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 UWG erzeugen kann.

Entscheidend ist der Gesamteindruck aus Sicht eines durchschnittlichen, technisch nicht vorgebildeten Verbrauchers. Steht „2.400 Mbit/s“ direkt neben „rasante DSL-Geschwindigkeit“, versteht der Verkehr das regelmäßig als Aussage über die tatsächliche DSL-Rate und nicht nur über die interne WLAN-Gerätegeschwindigkeit. Dass die Zahl technisch korrekt einen Router- oder WLAN-Wert beschreibt, hilft dann nicht weiter, wenn die Gestaltung zugleich den Eindruck einer entsprechenden Internetgeschwindigkeit vermittelt. Gerichte unterstellen dem Publikum kein Spezialwissen über technische Höchstwerte und ihre Abgrenzung.

Besonders riskant ist eine optische oder sprachliche Verknüpfung in demselben Blickfeld, etwa in einem TV-Spot oder Banner, wenn keine klare Zuordnung durch getrennte Labels, Hinweise oder Bildwelten erfolgt. Sicherer ist eine Darstellung, die den WLAN-Wert eindeutig als Geräteparameter und die DSL-Rate als Anschlussleistung kennzeichnet, damit kein Verbraucher die Angaben vermischt.


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Verliere ich den Prozess, wenn ich die technische Überlegenheit eines Konkurrenzprodukts nicht beweisen kann?

Ja, in diesem Klagepunkt verlieren Sie, wenn Sie kein streng vergleichbares und zum Werbezeitpunkt erhältliches Konkurrenzprodukt nachweisen können. Bei einer Klage gegen „Bester“-Werbung tragen Sie als Kläger die Beweislast für die Unrichtigkeit der Spitzenstellungsbehauptung.

„Der Beste“ ist rechtlich keine bloße Anpreisung, sondern eine objektive Aussage über eine Spitzenstellung im Markt. Deshalb muss der Wettbewerber, der Unterlassung verlangt, ein tatsächlich überlegenes Vergleichsprodukt benennen und dessen Marktverfügbarkeit zum konkreten Werbezeitpunkt belegen. Ein Produkt, das andere Grundfunktionen hat oder eine andere Zielgruppe anspricht, genügt als Gegenbeweis regelmäßig nicht. Genau daran scheiterte im Düsseldorfer Fall der Hinweis auf einen Gaming-Router ohne DSL-Fähigkeit, weil er mit dem beworbenen WLAN-Router nicht hinreichend vergleichbar war.

Zusätzlich reicht es nicht, nur ein Testurteil oder eine technische Bewertung nachzureichen, wenn unklar bleibt, ob das Produkt damals schon für Endkunden verfügbar war. Bei sehr aktuellen technischen Produkten prüft das Gericht streng, ob die behauptete Marktspitze im exakten Werbezeitpunkt bereits widerlegt war. Ohne diese lückenlose Vergleichbarkeit und Verfügbarkeit bleibt die Spitzenstellungswerbung deshalb oft bestehen.


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Welches Kostenrisiko trage ich, wenn meine Klage gegen mehrere Slogans nur teilweise Erfolg hat?

Bei teilweisem Erfolg tragen Sie als Kläger einen spürbaren Anteil der Verfahrenskosten beider Instanzen, weil die Kosten nach der Erfolgsquote verteilt werden. Wenn nur ein Teil Ihrer Unterlassungsanträge durchgeht, mindert das Ihren Kostenerfolg deutlich.

Im Wettbewerbsprozess richtet sich die Kostenverteilung regelmäßig nach § 92 ZPO, der bei teilweisem Obsiegen eine anteilige Belastung vorsieht. Jeder gescheiterte Slogan erhöht deshalb Ihren Kostenanteil, auch wenn Sie in der Sache insgesamt gewinnen. Das gilt nicht nur für die Gerichtskosten, sondern grundsätzlich auch für die notwendigen Anwaltskosten beider Seiten. Wer mehrere Werbeaussagen angreift, sollte deshalb jeden einzelnen Anspruch vorab auf Beweisbarkeit und Angreifbarkeit prüfen.

Besonders riskant sind Alleinstellungsbehauptungen wie „der Beste“, weil Sie deren Unwahrheit im Streitfall substantiiert belegen müssen. Scheitert nur ein solcher Punkt, kann das trotz überwiegenden Erfolgs zu einer spürbaren Quote führen, wie eine Kostenverteilung von 23 zu 77 Prozent zeigt.


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Das vorliegende Urteil


OLG Düsseldorf – Az.: 20 U 83/21 – Urteil vom 16.12.2021




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