Betriebsumstrukturierung: Muss man Prestigeverlust hinnehmen?

Betriebsumstrukturierung: Muss man Prestigeverlust hinnehmen?

Arbeitsgericht Frankfurt am Main

Az.: 7/17 Ca 2936/02

Urteil vom 30.09.2002


Leitsatz (vom Verfasser – nicht amtlich):

Arbeitnehmer müssen bei Betriebsumstrukturierungen keine Einbußen ihres Prestiges (wie z.B. Wegfall von Handlungsvollmacht und Stellvertreterfunktion) hinnehmen.


Sachverhalt:

Das Versicherungsunternehmen hatte aus wirtschaftlichen Gründen umstrukturiert. Das neu gegründete Versicherungsunternehmen bot dem Kläger eine Weiterbeschäftigung zu den gleichen finanziellen Bedingungen als Sachbearbeiter an, allerdings unter Wegfall der Handlungsvollmacht und der Stellvertreterfunktion als Vorgesetzter. Wegen des damit verbundenen „Prestigeverlusts“ lehnte der Arbeitnehmer die neue Stelle ab und verlangte die Abfindung nach dem Sozialplan.

Entscheidungsgründe:

Das Arbeitsgericht sprach dem Arbeitnehmer die Abfindung zu, da das Angebot der Versicherung für den Arbeitnehmer unzumutbar war. Das Interesse eines Arbeitnehmers an der Vermeidung eines Prestigeverlusts im Betrieb muss höher eingestuft werden als das allgemeine Interesse am Erhalt des Arbeitsplatzes.