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Schadensersatz Fluggesellschaft – Hinweispflicht auf Eincheckzeit

Fluggesellschaft muss blechen! Gericht gibt Passagier Recht, der wegen versäumtem Check-In seinen Flug verpasste. Airline verstieß gegen Hinweispflicht und muss nun den Flugpreis erstatten.

Das Wichtigste: Kurz & knapp

  • Der Kläger buchte kurzfristig ein Ticket, schaffte es jedoch nicht rechtzeitig einzuchecken.
  • Die Buchungsbestätigung erhielt er um 12:09 Uhr, der Check-In schloss um 12:10 Uhr.
  • Die Fluggesellschaft informierte nicht ausreichend über die kurzfristige Schließung des Check-Ins.
  • Das Gericht entschied zugunsten des Klägers und verurteilte die Beklagte zur Rückzahlung des Flugpreises.
  • Die Entscheidung basiert auf Verstößen gegen die Nebenpflichten im Luftbeförderungsvertrag nach deutschem Recht.
  • Die Fluggesellschaft hätte den Kläger vor der Buchung über die bevorstehende Schließung des Check-Ins informieren müssen.
  • Diese Information in den AGB genügt bei einer eiligen Buchung nicht.
  • Aufgrund der Verletzung der Hinweispflicht entstand dem Kläger ein Schaden in Höhe des Flugpreises.
  • Die Beklagte muss zudem die Kosten des Rechtsstreits tragen.
  • Die Berufung wurde wegen grundsätzlicher Bedeutung zugelassen.

Wichtige Fluggastrechte bei Verspätungen und Ausfällen

Fällt Ihr Flug aus oder kommt es zu erheblichen Verspätungen, stehen Ihnen als Fluggast verschiedene Rechte zu. Neben der Rückerstattung des Ticketpreises oder einer Ersatzbeförderung können Sie unter Umständen auch Schadensersatz von der Fluggesellschaft verlangen. Doch welche Pflichten hat die Fluggesellschaft eigentlich Ihnen gegenüber? Insbesondere die Hinweispflicht auf die Eincheckzeit ist ein häufiger Streitpunkt zwischen Passagieren und Airlines.

Wann genau müssen Sie am Flughafen sein? Reicht es, pünktlich am Gate zu erscheinen oder müssen Sie bereits früher einchecken? Und was passiert, wenn Sie diese Zeiten verpassen? Die Rechtsprechung hat hier klare Regeln aufgestellt, die sowohl für Reisende als auch für Fluggesellschaften von Bedeutung sind.

Ein aktueller Fall, der vor dem Amtsgericht Frankfurt verhandelt wurde, wirft ein Schlaglicht auf diese Problematik. Ein Passagier verpasste seinen Flug, weil er die Eincheckzeit nicht beachtet hatte. Doch war die Airline ihrer Hinweispflicht nachgekommen?

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Der Fall vor Gericht


Klagefall: Fluggesellschaft zahlt Flugpreis wegen Verstoßes gegen Hinweispflicht

Fluggesellschaftliche Informations- und Hinweispflichten
(Symbolfoto: BongkarnGraphic – Shutterstock.com)

Ein Passagier buchte kurzfristig einen Flug bei der Fluggesellschaft „XYZ“ am Flughafen Beirut. Die Buchungsbestätigung erhielt er nur eine Minute vor Schließung des Online-Check-Ins. Trotz Buchung konnte der Fluggast den Flug nicht antreten, da der Check-In bereits geschlossen war. Das Amtsgericht Düsseldorf entschied, dass die Fluggesellschaft gegen ihre Hinweispflicht verstieß und dem Kläger den Flugpreis erstatten muss.

Gerichtliche Begründung

Das Gericht sah keinen Anspruch aus der Fluggastrechte-Verordnung, da der Kläger sich nicht rechtzeitig am Flugsteig eingefunden hatte. Jedoch ergab sich ein Anspruch aus nationalem Recht (§§ 280, 241, 249 BGB). Die Fluggesellschaft hätte den Kunden vor Vertragsschluss darüber aufklären müssen, dass der Check-In kurz bevorstand. Eine Information in den AGB genügt nicht für kurzfristige, eilige Buchungen.

Hinweispflichtverletzung der Airline

Laut Gericht muss eine Airline Kunden vor der Buchung warnen, wenn der Check-In unmittelbar bevorsteht. Ein Zeitraum von mindestens 5 Minuten ist hierbei geboten, damit Kunden die Buchungsbestätigung abrufen und sich mit den Abläufen vertraut machen können. Die Airline verletzte diese Hinweispflicht, als sie dem Kunden keine Warnung gab.

Adäquat-kausaler Schaden

Die Kosten des Flugscheins sind ein adäquat-kausaler Schaden aus der Hinweispflichtverletzung. Denn hätte die Airline gewarnt, hätte der Kunde nicht gebucht und wäre nicht zur Zahlung verpflichtet gewesen. Das Gericht folgte der Vermutung beratungsrichtigen Verhaltens und ging davon aus, der Kläger hätte bei Warnung nicht gebucht. Die Naturalrestitution (§ 249 I BGB) verpflichtet die Airline daher zur Rückerstattung.

Die Schlüsselerkenntnisse


Das Gericht präzisierte, dass Fluggesellschaften bei kurzfristigen Buchungen eine Hinweispflicht trifft, wenn der Check-In unmittelbar bevorsteht. Eine Warnung in AGB genügt nicht, die Airline muss aktiv informieren. Andernfalls haftet sie für den Flugpreis als Schadensersatz gemäß §§ 280, 241, 249 BGB, da unterstellt wird, dass der Kunde bei Warnung nicht gebucht hätte. Die Entscheidung stärkt den Verbraucherschutz bei eiligen Buchungen.


Was bedeutet das Urteil für Sie?

Flugreisende, die aufgrund einer extrem knappen zeitlichen Abfolge zwischen Buchung und Check-in-Schluss ihren Flug verpasst haben, können von der Fluggesellschaft die Rückerstattung des Flugpreises verlangen. Das Gericht verpflichtet Fluggesellschaften, bei kurzfristigen Buchungen aktiv darauf hinzuweisen, wenn die Check-in-Frist unmittelbar bevorsteht. Eine pauschale Information in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen reicht nicht aus. Erfolgt keine ausdrückliche Warnung, obwohl für den Fluggast faktisch keine Zeit mehr für den Check-in bleibt, muss die Airline den Ticketpreis als Schadensersatz zurückzahlen. Dies gilt allerdings nur, wenn der Nichtantritt des Fluges allein auf die unterlassene Warnung zurückzuführen ist. Eine Entschädigung nach der EU-Fluggastrechteverordnung steht in solchen Fällen nicht zu, da diese den rechtzeitigen Erscheinen des Fluggastes am Flugsteig voraussetzt.


FAQ – Häufige Fragen

Sie haben Fragen zu fluggesellschaftlichen Informations- und Hinweispflichten? Wir haben die Antworten! Unsere FAQ-Rubrik bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über Ihre Rechte als Fluggast und die Pflichten der Airlines. Erfahren Sie, worauf Sie achten müssen, um Ihre Ansprüche erfolgreich durchzusetzen.


Was sind die Informations- und Hinweispflichten von Fluggesellschaften?

Fluggesellschaften unterliegen umfangreichen Informations- und Hinweispflichten gegenüber ihren Passagieren. Diese Pflichten dienen dem Schutz der Verbraucher und sollen eine reibungslose Reiseabwicklung gewährleisten. Bei kurzfristigen Flugbuchungen müssen Fluggesellschaften besonders sorgfältig über den bevorstehenden Beginn der Check-in-Zeit informieren. Dies gilt insbesondere dann, wenn zwischen der Buchungsbestätigung und dem Check-in-Schluss nur ein sehr kurzer Zeitraum liegt.

Die Informationspflicht der Fluggesellschaften geht über die bloße Erwähnung in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) hinaus. Es reicht nicht aus, wenn die Check-in-Zeiten lediglich in den AGB aufgeführt sind. Stattdessen muss eine aktive Warnung an den Passagier erfolgen. Dies bedeutet, dass die Fluggesellschaft den Reisenden deutlich und unmissverständlich auf die bevorstehende Check-in-Zeit hinweisen muss.

Diese erweiterte Informationspflicht ergibt sich aus der besonderen Situation bei kurzfristigen Buchungen. Wenn ein Passagier einen Flug sehr kurzfristig bucht, besteht die Gefahr, dass er die regulären Check-in-Zeiten übersieht oder nicht rechtzeitig wahrnimmt. Um zu verhindern, dass der Reisende seinen Flug verpasst, muss die Fluggesellschaft daher besonders deutlich auf die zeitlichen Abläufe hinweisen.

Die Rechtsprechung hat diese Informationspflicht in jüngster Zeit konkretisiert. Fluggesellschaften müssen sicherstellen, dass das Einchecken für Passagiere auch bei kurzfristigen Online-Buchungen noch praktisch möglich ist. Ist dies nicht der Fall, kann dies zu Schadensersatzansprüchen der Passagiere führen. Die Fluggesellschaft muss in solchen Fällen unter Umständen sogar den vollen Ticketpreis zurückerstatten.

Ein anschauliches Beispiel verdeutlicht die Problematik: Ein Reisender bucht am späten Abend einen Flug für den nächsten Morgen. Die Check-in-Zeit endet jedoch bereits wenige Stunden nach der Buchung. Ohne einen deutlichen Hinweis der Fluggesellschaft könnte der Passagier diese knappe Zeitspanne leicht übersehen und seinen Flug verpassen. In einem solchen Fall wäre die Fluggesellschaft ihrer Informationspflicht nicht ausreichend nachgekommen.

Die erweiterten Informationspflichten der Fluggesellschaften dienen letztlich dazu, Reisenden eine faire Chance zu geben, ihren gebuchten Flug auch tatsächlich wahrzunehmen. Sie sind Ausdruck des verbraucherschützenden Charakters des Luftverkehrsrechts und stärken die Position der Passagiere gegenüber den Fluggesellschaften.

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Wie lang muss die Zeitspanne zwischen Buchungsbestätigung und Check-in-Schluss mindestens sein?

Nach geltendem Recht müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren einen angemessenen Zeitraum von mindestens fünf Minuten zwischen der Buchungsbestätigung und dem Check-in-Schluss gewähren. Diese Zeitspanne ist erforderlich, damit Fluggäste die notwendigen Schritte für den Check-in-Prozess durchführen können.

In der Praxis bedeutet dies, dass Reisende nach Erhalt ihrer Buchungsbestätigung ausreichend Zeit haben müssen, um diese abzurufen und sich mit den spezifischen Check-in-Abläufen der jeweiligen Airline vertraut zu machen. Dies ist besonders wichtig, da die Verfahren und Fristen für den Check-in je nach Fluggesellschaft variieren können.

Die festgelegte Mindestzeit von fünf Minuten dient dem Schutz der Verbraucherrechte im Luftverkehr. Sie stellt sicher, dass Passagiere nicht unverhältnismäßig benachteiligt werden, wenn sie kurz vor Ablauf der Check-in-Frist eine Buchung vornehmen. Fluggesellschaften sind verpflichtet, diese Mindestzeit in ihren Buchungssystemen und Geschäftsprozessen zu berücksichtigen.

Es ist wichtig zu betonen, dass es sich hierbei um eine Mindestanforderung handelt. In der Realität gewähren die meisten Airlines ihren Kunden deutlich mehr Zeit für den Check-in-Vorgang. Viele Fluggesellschaften ermöglichen den Online-Check-in bereits 24 bis 48 Stunden vor dem geplanten Abflug.

Fluggäste sollten sich dennoch stets über die spezifischen Check-in-Fristen ihrer gebuchten Airline informieren. Diese können je nach Fluggesellschaft, Reiseziel und Art des Fluges (Inlands- oder Auslandsflug) variieren. Eine frühzeitige Planung des Check-in-Vorgangs ist ratsam, um Komplikationen am Reisetag zu vermeiden.

Die Einhaltung dieser Mindestzeit durch die Fluggesellschaften ist von großer Bedeutung. Wird sie nicht gewährt und entstehen dem Passagier dadurch Nachteile, könnte dies zu Schadensersatzansprüchen führen. Fluggäste haben das Recht, den Check-in-Prozess in angemessener Zeit durchführen zu können, ohne dass ihnen daraus Nachteile entstehen.

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Welche Folgen hat die Verletzung der Hinweispflicht durch die Fluggesellschaft?

Die Verletzung der Hinweispflicht durch eine Fluggesellschaft kann erhebliche rechtliche und finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen. Wenn eine Airline es versäumt, Passagiere bei kurzfristigen Buchungen angemessen über die verbleibende Zeit bis zum Check-in zu informieren, kann sie zur Erstattung des gesamten Ticketpreises verpflichtet werden. Diese Verpflichtung ergibt sich aus dem Grundsatz des Schadensersatzes nach § 280 Abs. 1 BGB in Verbindung mit der Verletzung einer vertraglichen Nebenpflicht aus dem Luftbeförderungsvertrag.

Die Hinweispflicht der Fluggesellschaft basiert auf der berechtigten Erwartung des Fluggastes, dass ein Ticketverkauf nur dann erfolgt, wenn das Einchecken unter normalen Umständen noch möglich ist. Bei sehr kurzfristigen Buchungen kurz vor Abflug muss die Airline den Kunden explizit darauf aufmerksam machen, wie viel Zeit für den Check-in-Vorgang noch zur Verfügung steht. Unterlässt sie diese Information, verletzt sie ihre Sorgfaltspflicht gegenüber dem Passagier.

Die Rechtsfolgen einer solchen Pflichtverletzung können für die Fluggesellschaft gravierend sein. Sie muss dem Fluggast den vollen Ticketpreis als Schadensersatz zurückerstatten. Die Begründung dafür liegt in der Annahme, dass der Passagier bei ordnungsgemäßer Information den Flug gar nicht erst gebucht hätte. Somit wird die Kausalität zwischen der Pflichtverletzung und dem entstandenen finanziellen Schaden hergestellt.

Diese Rechtsauffassung stärkt die Position der Verbraucher erheblich. Sie verpflichtet Fluggesellschaften zu größerer Transparenz und Sorgfalt bei kurzfristigen Buchungen. Fluggesellschaften müssen nun sicherstellen, dass ihre Buchungssysteme so gestaltet sind, dass Passagiere ausreichend Zeit für den Check-in-Prozess haben oder andernfalls deutlich gewarnt werden.

Für Fluggäste bedeutet dies einen verbesserten Schutz vor unerwarteten Kosten durch verpasste Flüge aufgrund zu knapper Zeitfenster zwischen Buchung und Check-in. Sie können bei einer Verletzung der Hinweispflicht Anspruch auf volle Erstattung des Ticketpreises geltend machen.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese rechtliche Bewertung sich auf Fälle bezieht, in denen die Zeit zwischen Buchungsbestätigung und Check-in-Schluss unrealistisch kurz ist. Fluggesellschaften sollten daher ihre Buchungsprozesse überprüfen und gegebenenfalls anpassen, um solche Situationen zu vermeiden und ihrer Hinweispflicht gerecht zu werden.

Die Entscheidung unterstreicht die Bedeutung einer klaren und rechtzeitigen Kommunikation zwischen Fluggesellschaften und Passagieren. Sie fördert faire Geschäftspraktiken im Luftverkehr und stärkt das Vertrauen der Verbraucher in Online-Buchungssysteme. Gleichzeitig setzt sie einen Anreiz für Fluggesellschaften, ihre Prozesse zu optimieren und kundenfreundlicher zu gestalten.

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Haben Fluggäste bei Nichtantritt weitere Ansprüche gegen die Airline?

Bei reinem Nichtantritt eines Fluges haben Fluggäste grundsätzlich keine weitergehenden Ansprüche gegen die Fluggesellschaft. Die EU-Fluggastrechteverordnung sieht Ausgleichszahlungen nur für bestimmte Fälle wie Flugverspätungen, Annullierungen oder Nichtbeförderung trotz bestätigter Buchung vor. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich der Passagier rechtzeitig am Flugsteig eingefunden hat.

Ein Anspruch auf Rückerstattung des Flugpreises kann allerdings bestehen, wenn die Fluggesellschaft ihre Hinweispflichten verletzt hat. Dies kann der Fall sein, wenn dem Fluggast nach der Buchung nicht ausreichend Zeit für den Check-In-Vorgang eingeräumt wurde. Fluggesellschaften müssen sicherstellen, dass Passagiere eine realistische Chance haben, den gebuchten Flug auch tatsächlich anzutreten. Dazu gehört, dass der Online-Check-In oder Check-In am Schalter nach dem Ticketkauf noch möglich sein muss.

Bucht ein Fluggast beispielsweise kurz vor Abflug ein Ticket, muss die Airline darauf hinweisen, wie viel Zeit für den Check-In-Prozess noch zur Verfügung steht. Unterbleibt ein solcher Hinweis und kann der Passagier aufgrund zu knapper Zeitspanne nicht mehr einchecken, kann er den gezahlten Ticketpreis zurückfordern. Die Fluggesellschaft hat in diesem Fall ihre vertraglichen Nebenpflichten verletzt.

Darüber hinausgehende Ansprüche auf Schadensersatz oder Ausgleichszahlungen bestehen bei Nichtantritt des Fluges in der Regel nicht. Die Fluggastrechteverordnung zielt primär darauf ab, Passagiere bei Störungen des Flugbetriebs zu schützen, nicht aber bei eigenem Versäumnis des Fluges. Fluggäste sollten daher stets ausreichend Zeit für Anreise und Check-In-Vorgänge einplanen, um ihre Rechte nicht zu verlieren.

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Welche Fristen gelten für die Geltendmachung von Ansprüchen?

Bei der Geltendmachung von Ansprüchen gegen Fluggesellschaften sind verschiedene Fristen zu beachten. Die reguläre Verjährungsfrist für Ausgleichsansprüche nach der EU-Fluggastrechteverordnung beträgt drei Jahre. Diese Frist beginnt mit dem Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger von den anspruchsbegründenden Umständen Kenntnis erlangt hat.

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Verjährungsfrist nicht mit dem Tag des verspäteten oder annullierten Fluges beginnt, sondern erst am Ende des Kalenderjahres, in dem das Ereignis stattgefunden hat. Dies bedeutet, dass Fluggäste in der Regel mehr Zeit haben, ihre Ansprüche geltend zu machen, als sie zunächst annehmen könnten.

Trotz dieser relativ langen Frist ist es ratsam, Ansprüche möglichst zeitnah nach dem Vorfall geltend zu machen. Dies erleichtert die Beweisführung und erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Durchsetzung der Ansprüche. Fluggäste sollten daher alle relevanten Unterlagen wie Bordkarten, Buchungsbestätigungen und Informationen über Verspätungen oder Annullierungen sorgfältig aufbewahren.

In bestimmten Fällen können auch kürzere Fristen gelten. Beispielsweise müssen Beschädigungen von aufgegebenem Gepäck innerhalb von sieben Tagen und dessen verspätete Auslieferung innerhalb von 21 Tagen schriftlich bei der Fluggesellschaft gemeldet werden. Bei Nichtbeachtung dieser Fristen können Ansprüche verfallen.

Es ist zu beachten, dass die Geltendmachung von Ansprüchen die Verjährung hemmt. Dies bedeutet, dass der Zeitraum, in dem der Anspruch geltend gemacht wird, nicht in die Verjährungsfrist eingerechnet wird. Lehnt die Fluggesellschaft den Anspruch ab, beginnt die Verjährungsfrist erneut zu laufen.

Fluggäste sollten sich bewusst sein, dass Fluggesellschaften verpflichtet sind, Passagiere über ihre Rechte zu informieren. Dies schließt auch Informationen über Eincheckzeiten ein. Versäumt eine Fluggesellschaft diese Hinweispflicht, kann dies unter Umständen zu Schadensersatzansprüchen führen.

Die genauen Fristen und Voraussetzungen für die Geltendmachung von Ansprüchen können je nach Art des Anspruchs und den spezifischen Umständen des Falles variieren. In komplexen Fällen oder bei Unsicherheiten bezüglich der geltenden Fristen ist es ratsam, sich an eine Verbraucherzentrale oder einen spezialisierten Rechtsanwalt zu wenden. Diese können eine individuelle Beratung bieten und bei der Durchsetzung der Ansprüche unterstützen.

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Glossar – Fachbegriffe kurz erklärt

  • Hinweispflicht: Die Pflicht einer Partei, insbesondere eines Vertragspartners, die andere Seite auf bestimmte relevante Umstände oder Risiken hinzuweisen. Im vorliegenden Fall hatte die Fluggesellschaft die Pflicht, den Kunden darüber zu informieren, dass zwischen Buchung und Abschluss des Check-in-Vorgangs nur noch sehr wenig Zeit blieb. Eine Verletzung dieser Pflicht kann zu Schadensersatzansprüchen führen.
  • Adäquat-kausaler Schaden: Ein Schaden, der in einem rechtlich anzuerkennenden ursächlichen Zusammenhang mit einem schädigenden Ereignis oder Verhalten steht. Im Urteilsfall war der Flugpreis als Schaden adäquat-kausal auf die unterlassene Warnung der Airline zurückzuführen. Denn hätte die Fluggesellschaft gewarnt, hätte der Kunde gar nicht erst gebucht.
  • Naturalrestitution: Ein Rechtsgrundsatz, wonach bei einer Pflichtverletzung der Zustand wiederherzustellen ist, der bestünde, wenn die Pflicht ordnungsgemäß erfüllt worden wäre (§ 249 Abs. 1 BGB). Im Urteil bedeutete dies, dass der Kunde den Flugpreis zurückerhält, um so gestellt zu werden, als hätte er den Vertrag mit der Airline gar nicht geschlossen.
  • Nebenpflicht: Neben den Hauptleistungspflichten aus einem Vertrag (z.B. Beförderungspflicht) ergeben sich oft weitere Nebenpflichten, die zur Erreichung des Vertragszwecks erforderlich sind. So hatte die Airline hier eine Nebenpflicht, den Kunden über die Zeitknappheit vor dem Check-in aufzuklären.
  • Beratungsrichtiges Verhalten: Eine Rechtsvermutung, wonach bei Aufklärungspflichtverletzungen unterstellt wird, der Geschädigte hätte bei ordnungsgemäßer Aufklärung beratungsrichtig gehandelt. Hier wurde vermutet, dass der Kunde bei Warnung nicht mehr gebucht hätte. Diese Vermutung begründete den Schadensersatzanspruch.
  • Verjährungsfristen: Fristen, innerhalb derer Ansprüche gerichtlich oder außergerichtlich geltend gemacht werden müssen. Die Verjährungsfristen für Schadensersatzansprüche variieren je nach Anspruchsgrundlage und Einzelfall, weshalb eine frühzeitige Geltendmachung ratsam ist.

Wichtige Rechtsgrundlagen


  • § 280 Abs. 1 BGB (Schadensersatz wegen Pflichtverletzung): Dieser Paragraph regelt den allgemeinen Anspruch auf Schadensersatz, wenn eine Vertragspartei ihre Pflichten verletzt. Im vorliegenden Fall hat die Fluggesellschaft ihre Pflicht zur Aufklärung über die verbleibende Zeit bis zum Check-In verletzt, was zum Schaden des Klägers (dem verpassten Flug) führte.
  • § 241 Abs. 2 BGB (Vertragliche Nebenpflichten): Neben den Hauptpflichten aus einem Vertrag (hier: die Beförderung) ergeben sich auch Nebenpflichten, die zur Erreichung des Vertragszwecks erforderlich sind. Die Aufklärungspflicht der Fluggesellschaft über die verbleibende Zeit bis zum Check-In ist eine solche Nebenpflicht, da sie für den Fluggast wesentlich ist, um den Flug antreten zu können.
  • § 249 Abs. 1 BGB (Art und Umfang des Schadensersatzes): Dieser Paragraph bestimmt, dass der Geschädigte so gestellt werden soll, wie er stehen würde, wenn der zum Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten wäre. Im konkreten Fall bedeutet dies, dass der Kläger den Flugpreis zurückerstattet bekommen muss, da er den Flug aufgrund der Pflichtverletzung der Fluggesellschaft verpasst hat.
  • Vermutung des beratungsrichtigen Verhaltens: Diese Rechtsfigur besagt, dass bei einer Pflichtverletzung in Form einer unterlassenen Aufklärung vermutet wird, dass der Geschädigte bei ordnungsgemäßer Aufklärung anders gehandelt hätte. Im vorliegenden Fall wird vermutet, dass der Kläger den Flug nicht gebucht hätte, wenn er über die kurze Zeit bis zum Check-In aufgeklärt worden wäre.
  • Fluggastrechte-Verordnung (EG) Nr. 261/2004: Diese Verordnung regelt die Rechte von Fluggästen bei Nichtbeförderung, Annullierung oder großer Verspätung von Flügen. Im vorliegenden Fall war sie jedoch nicht anwendbar, da der Kläger sich nicht rechtzeitig am Flugsteig eingefunden hatte.

Das vorliegende Urteil

AG Düsseldorf – Az.: 37 C 294/24 – Urteil vom 17.06.2024

Lesen Sie hier das Urteil…

Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 499,99 EUR (in Worten: vierhundertneunundneunzig Euro und neunundneunzig Cent) zu zahlen.

Die Kosten des Rechtsstreits hat die Beklagte zu tragen.

Dieses Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Der Beklagten hat das Gericht gestattet, die Zwangsvollstreckung gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des vollstreckbaren Betrages abzuwenden, wenn nicht der Kläger vor der Zwangsvollstreckung Sicherheit in Höhe von 110 % des zu vollstreckenden Betrages leistet.

Die Berufung wird zugelassen.

Tatbestand

Der Kläger erwarb bei der Beklagten unter Nutzung seines Smartphones während eines Aufenthalts im Flughafen Beirut am 08.10.2023 um 12:06 Uhr ein Online-Ticket für den Flug N01 am selben Tag um 13:10 Uhr (alle Zeitangaben in Ortszeit) nach Stockholm zu einem Flugpreis von 499,99 Euro. Die Buchungsbestätigung erhielt der Kläger per E-Mail um 12:09 Uhr. Ein Online-Check-In über die App der Beklagten gelang dem Kläger nachfolgend nicht mehr, weil der Check-In planmäßig um 12:10 Uhr schloss, gemäß AGB der Beklagten eine Stunde vor Abflug. Auch ein Check-In vor Ort am Schalter war wegen Schließung nicht mehr möglich. Der Kläger konnte den gebuchten Flug daher nicht antreten.

Der Kläger beantragt, die Beklagte zu verurteilen, an den Kläger 499,99 Euro zu zahlen.

Die Beklagte beantragt, die Klage abzuweisen.

Das Gericht hat auf Antrag der Beklagten am 03.06.2024 mündlich verhandelt.

Entscheidungsgründe

Die zulässige Klage ist begründet.

Dem Kläger steht jedoch kein Anspruch aus der Fluggastrechte-Verordnung zu. Ein Fall der Beförderungsverweigerung gegen den Willen des Fluggasts nach Artikel 4 Absatz 3 in Verbindung mit Artikel 2 Buchstabe j der Fluggastrechte-Verordnung setzt voraus, dass der Fluggast sich rechtzeitig am Flugsteig eingefunden hat, was nicht der Fall war.

Ein Anspruch ergibt sich jedoch aus nationalem Recht gemäß § 280 Abs. 1 BGB in Verbindung mit § 241 Abs. 2 BGB und § 249 Abs. 1 BGB. Die Beklagte trifft bei einem Luftbeförderungsvertrag die Nebenpflicht, den Fluggast vor Vertragsschluss darüber aufzuklären, wie viel Zeit noch bis zum Check-In besteht. Eine Information innerhalb von AGB genügt nicht, da bei einer kurzfristigen eiligen Buchung nicht erwartet werden kann, dass der Fluggast sich die Informationen dort heraussucht. Der Fluggast kann von einem Luftfahrtunternehmen erwarten, dass ein Verkauf von Flugscheinen nur solange erfolgt wie es dem Fluggast möglich ist, das Einchecken bei gewöhnlichem Verlauf der Dinge noch durchführen zu können. Dies ist bei einem Schluss des Online-Check-In eine Minute nach Übersendung der Buchungsbestätigung, die gemäß Anlage K1 die Uhrzeit 11:09 Uhr aufweist, nicht der Fall, da auch für einen Online-Check-In ein Zeitraum von jedenfalls 5 Minuten zugrunde zu legen ist, da zunächst die Buchungsbestätigung per E-Mail abgerufen werden muss und sich mit den Abläufen vertraut gemacht werden muss. Die Beklagte traf daher die Pflicht, den Kläger vor Annahme des Buchungsauftrags darauf aufmerksam zu machen, dass der Check-In um 11:10 Uhr schließt und daher die Gefahr besteht, dass der Kläger den Flug trotz Buchung nicht nutzen kann. Diese Hinweispflicht hat die Beklagte verletzt.

Die Kosten des Flugscheins sind adäquat-kausaler Schaden der Verletzung der Hinweispflicht, denn hätte die Beklagte darauf hingewiesen, dass der Check-In voraussichtlich nicht mehr erreicht werden kann, hätte der Kläger die Buchung nicht durchgeführt und wäre daher die Verpflichtung zur Zahlung des Flugpreises gegenüber der Beklagten nicht eingegangen. Hinsichtlich der Kausalität bei der Unterlassung notwendiger Informationen gilt die Vermutung beratungsrichtigen Verhaltens. Mangels anderer Anhaltspunkte kann unterstellt werden, dass der Kläger bei ordnungsgemäßer Information den Flug nicht gebucht hätte. Dass der Check-In tatsächlich geschlossen war und es nicht der Kläger war, der den Check-In gar nicht versuchte durchzuführen, ergibt sich aus der Anlage K5, der Chatkommunikation zwischen dem Kläger und seiner Ehefrau, wonach der Kläger mitteilte, bei Eurowings einen Flug gebucht zu haben, der bereits geschlossen gewesen sei. Es erscheint überdies fernliegend, dass der Kläger aus dem Flughafen heraus ein Ticket für einen rund eine Stunde später stattfindenden Flug bucht, dann aber gar nicht versucht, einen Check-In durchzuführen. Im Rahmen der Naturalrestitution nach § 249 Abs. 1 BGB trifft die Beklagte die Verpflichtung, den Kläger so zu stellen wie er stünde, wenn er den Vertrag mit der Beklagten nicht geschlossen hätte, mithin ist der Flugpreis zurückzuerstatten.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 ZPO, die zur vorläufigen Vollstreckbarkeit aus § 708 Nr. 11, § 711 ZPO.

Die Berufung ist nach § 511 Abs. 4 ZPO wegen grundsätzlicher Bedeutung zuzulassen.

Der Streitwert wird auf 499,99 EUR festgesetzt.

 


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