OLG Jena – Thüringer Tabelle (Stand: 01.07.2001 bzw. 01.01.2002)

OLG Jena – Thüringer Tabelle (Stand: 01.07.2001 bzw. 01.01.2002)

Die nachfolgend in Klammern gesetzten Euro-Beträge gelten ab 01.01.2002.

alte Thüringer Tabelle gültig bis zum 30.06.2001

Aus gegebenen Anlass weisen wir daraufhin, dass es sich vorliegend um keine Internet-Seite des OLG Jena handelt!


Vorbemerkung

Die Unterhaltsrechtsprechung der Thüringer Familiensenate orientiert sich im Wesentlichen an den von der Rechtsprechung des BGH entwickelten Grundsätzen und an den Leitlinien der „Düsseldorfer Tabelle“ (Stand: 01.07.1999), soweit im Folgenden keine Abweichungen enthalten sind.


A. Kindesunterhalt

I. Minderjährige

Bedarf nach Altersstufen in DM (Euro)

 Gruppe

Bereinigtes Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen

in DM (Euro):

Altersstufen in Jahren

 

Bis Vollendung des 6. Lebensjahres

Vom 7. bis Vollendung des 12. Lebensjahres

Vom 13. bis Vollendung des 18. Lebensjahres

Ab 19. Lebensjahr

A

bis 1950 (1000)

340 (174)

411 (211)

487 (249)

563 (287)

B

1950 (1000) – 2.250 (1150)

353 (181)

428 (220)

506 (259)

584 (298

C

ab 2250 (1150)

Wie Düsseldorfer Tabelle (Stand: 01.07.2001 bzw. 01.01.2002 in Euro, aber jeweils ohne Bedarfskontrollbetrag!)

II. Volljährige

1. Der Bedarf eines Volljährigen mit eigenem Hausstand beträgt in der Regel monatlich 1075 DM (550 Euro), soweit sich nicht aus dem zusammengerechneten bereinigten Nettoeinkommen der Eltern unter Anwendung der Tabelle ohne Höherstufung ein höherer Satz ergibt.

2. Für den im Haushalt der Eltern oder eines Elternteils lebenden Volljährigen ohne eigenes Erwerbseinkommen ist der Tabellenbetrag der 4. Altersstufe anzusetzen. Dabei ist von dem zusammengerechneten bereinigten Nettoeinkommen beider Eltern unter Anwendung der Tabelle ohne Höherstufung auszugehen.

3. Erzielt der bei den Eltern oder einem Elternteil lebende Volljährige eigenes Erwerbseinkommen, so ist wegen der sich anbahnenden eigenen Lebensstellung von einem festen Bedarfsbetrag auszugehen, der wegen der wirtschaftlichen Vorteile des Zusammenlebens mit den Eltern oder einem Elternteil auf 895 DM (460 Euro) zu bemessen ist, sofern sich nicht nach Nr. 112 ein höherer Bedarf ergibt.

4. Der Bedarf des Volljährigen umfasst in der Regel den Wohnbedarf und übliche ausbildungsbedingte Aufwendungen.

Eigenes Einkommen des Volljährigen ist nach Abzug konkret zu belegender berufsbedingter Aufwendungen anzurechnen.

5. Die Eltern haften anteilig nach ihren Einkommensverhältnissen für den Bedarf des Volljährigen.

Vor Bildung der Haftungsquote sind der angemessene Selbstbehalt und der Unterhalt vorrangig Berechtigter vom bereinigten Nettoeinkommen jedes Elternteils abzusetzen.

Die Haftung ist auf den Tabellenbetrag ohne Höherstufung nach Maßgabe des eigenen Einkommens des Pflichtigen begrenzt.

B. Ehegattenunterhalt

I. Gegen einen erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen

1. Wenn der Berechtigte kein eigenes Einkommen hat, 3/7 des bereinigten Nettoeinkommens4 zuzüglich 1/2 der anrechenbaren sonstigen Einkünfte des Verpflichteten.

2. Wenn der Berechtigte eigenes Einkommen hat, 3/7 der Differenz zwischen den anrechenbaren Nettoeinkommens der (geschiedenen) Ehegatten bzw. 1/2 der anrechenbaren sonstigen Einkünfte, jeweils begrenzt durch den vollen Bedarf nach den ehelichen Lebensverhältnissen (§ 1578 BGB).

3. Maßgeblich sind jeweils die die ehelichen Lebensverhältnisse prägenden Einkünfte der (geschiedenen) Ehegatten. Verfügt der Berechtigte über die ehelichen Lebensverhältnisse nicht prägendes eigenes Einkommen, so kommt die sog. Anrechnungsmethode zur Anwendung. Hierbei wird das Erwerbseinkommen des Berechtigten mit 6/7 angerechnet.

II. Gegen einen nicht erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen

(z.B. Rentner, Pensionär oder einem aus Vermögenseinkünften Verpflichteten): 1/2 der verteilungsfähigen Einkünfte.

III. Der Unterhaltsbedarf (Elementarunterhalt) kann bis zu einem Betrag von 3600 DM (1840 Euro) als Quotenunterhalt ohne Nachweis des tatsächlichen Bedarfs geltend gemacht werden (sog. relative Sättigungsgrenze).

IV. Bei Ehegatten, die vor dem 03.10.1990 in dem Beitrittsgebiet geschieden worden sind, ist das DDR-FGB i.V. mit dem Einigungsvertrag zu berücksichtigen (Art. 234 § 5 EGBGB).

C. Selbstbehalte der im Beitrittsgebiet wohnenden Unterhaltspflichtigen

Der monatliche Selbstbehalt beträgt:

1. gegenüber minderjährigen und gern. § 1603 II 2 BGB privilegierten volljährigen Kindern sowie getrennt lebenden Ehegatten (sog. notwendiger oder kleiner Selbstbehalt):

a) für nicht erwerbstätige Unterhaltspflichtige 1270 DM (650 Euro)

b) für erwerbstätige Unterhaltspflichtige 1465 DM (750 Euro)

(Darin enthalten ist ein Wohnanteil von 460 DM [235 Euro] Warmmiete bzw. 300 DM [155 Euro] Kaltmiete.)

2. Gegenüber volljährigen Kindern, die nicht gern. § 1603 II 2 BGB privilegiert sind, und geschiedenen Ehegatten (sog. angemessener oder großer Selbstbehalt):

a) für nicht erwerbstätige Unterhaltspflichtige 1560 DM (800 Euro)

b) für erwerbstätige Unterhaltspflichtige 1760 DM (900 Euro)

(Darin enthalten ist ein Wohnanteil von 560 DM [290 Euro] Warmmiete bzw. 375 DM [195 Euro] Kaltmiete). Dem geschiedenen Ehegatten ist nach Maßgabe des § 1581 BGB unter Umständen ein höherer Betrag zu belassen.

3. Der angemessene Selbstbehalt des Unterhaltspflichtigen gegenüber seinen Eltern beträgt mindestens monatlich 2200 DM (1125 Euro).

4. Der angemessene Selbstbehalt des Unterhaltspflichtigen gegenüber der Mutter oder dem Vater (§ 1615l I BGB) beträgt mindestens monatlich 1760 DM (900 Euro).

D. Anmerkungen

1. Die vorliegende Tabelle berücksichtigt die ab 01.07.2001 (vgl. BGBl I 2001, 842) bzw. 1.1.2002 geltenden Regelbetragssätze (vgl. BGBl I 2001, 842) und die Steigerung der Lebenshaltungskosten in den neuen Bundesländern.

2. Die Tabelle weist monatliche Unterhaltsrichtsätze aus, bezogen auf einen gegenüber einem Ehegatten und zwei Kindern Unterhaltspflichtigen.

Bei einer größeren/geringeren Anzahl Unterhaltsberechtigter können Ab- oder Zuschläge durch Einstufung in niedrigere/höhere Gruppen angemessen sein.

3. a) Die Bedarfssätze der Thüringer Tabelle sind maßgeblich, wenn der Unterhaltsberechtigte in einem neuen Bundesland (einschließlich dem Beitrittsteil des Landes Berlin) wohnt.

b) Die Selbstbehaltssätze richten sich nach dem für den Wohnort (Lebensmittelpunkt) des Unterhaltspflichtigen maßgeblichen Verhältnissen.

4. In den Unterhaltsbeträgen für minderjährige und volljährige Kinder sind Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge nicht enthalten.

5. Bei der Bereinigung des Nettoeinkommens sind berufsbedingte Aufwendungen des Unterhaltspflichtigen nur auf konkreten Nachweis absetzbar, da eine pauschalisierende Berücksichtigung schon in der Unterhaltsquote enthalten ist. Eine Schätzung nach § 287 ZPO kann dabei erfolgen.

Nachgewiesene notwendige Fahrtkosten zur und von der Arbeitsstätte werden mit 0,42 DM (0,22 Euro) pro gefahrenem Kilometer berücksichtigt, wobei in der Regel eine einfache Entfernung von mehr als 40 km nicht mehr als angemessen angesehen werden kann. Hierin sind Anschaffungs-, Reparatur- und sonstige Betriebskosten enthalten.

6. Die in den Selbstbehaltssätzen ausgewiesenen Wohnkosten können im Mangelfall als Maßstab für die Anrechnung mietfreien Wohnens herangezogen werden. Höhere Wohnkosten führen in der Regel nicht zu einer Erhöhung der Selbstbehaltssätze.

7. Die Führung des Haushalts eines leistungsfähigen Dritten kann dem nicht Erwerbstätigen als (fiktives) Einkommen zugerechnet werden. In der Regel kann ein Betrag von 540 DM (280 Euro) monatlich dafür angesetzt werden.

8. Geht ein Ehegatte einer Vollzeittätigkeit nach, obwohl er ein oder mehrere minderjährige Kinder betreut, so kann ihm gegenüber dem anderen Ehegatten wegen der Mehrbelastung ein Betrag in einer Größenordnung bis zu 300 DM (155 Euro) anrechnungsfrei belassen werden. Notwendige höhere Aufwendungen können auf Nachweis berücksichtigt werden.